Interview mit der Body Positivity-Aktivistin Zinteta

Die bekannte spanische Künstlerin Cinta Tort Cartró alias Zinteta bemalt Frauenkörper, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen. So setzt sie sich für eine positive Einstellung zum natürlichen, weiblichen Körper ein. Und hat damit großen Erfolg: Weltweit berichten die Medien über ihre Kunst, auf Instagram hat sie knapp 100 Tausend Follower. Zinteta unterstützt unsere „Fair To Myself“-Unterwäschekollektion – und hat sogar die Models bemalt. Wir haben mit ihr über Dehnungsstreifen, Schönheitsideale und ihre Einstellung zu ihrem eigenen Körper geredet.

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©Julian Essink

 

Eigentlich bist du Grundschullehrerin. Wie und wann bist du darauf gekommen, Frauenkörper zu bemalen? Das stimmt, ich habe als Grundschullehrerin gearbeitet. Inzwischen bin ich aber hauptberuflich Künstlerin. Kreativ bin ich schon mein Leben lang. Zur feministischen Kunst bin ich vor drei Jahren gekommen, als mir auffiel, dass im Fokus der Medien immer nur Frauen mit einem „perfekten“ Körper stehen. Das entspricht aber nicht der Realität. Die wenigsten von uns haben solch einen vermeintlich perfekten Body. Deshalb habe ich mir vorgenommen, alle Körper zu zeigen – auf eine besondere Art.

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Zinteta vor ihrem Haus in Barcelona ©Julian Essink

Du stellst vermeintliche Makel, zum Beispiel Dehnungsstreifen, besonders in den Vordergrund. Was ist die Message dahinter? Ich möchte zeigen, dass all unsere Körper verschieden sind. Manche sind mehr behaart, andere weniger. Manche sind dick, andere ganz dünn. Einige haben Sommersprossen, andere Dehnungsstreifen, Narben, Leberflecken, Falten oder Akne. Die Frauenkörper, die wir von den Medien gezeigt bekommen, sehen aber immer gleich aus: sehr schlank, keine Narben, Pickel oder Haare am Körper. Das bringt uns Frauen dazu, uns auch so einen Body zu wünschen…

Ging es dir auch so? Ja, früher habe ich mich gar nicht wohl gefühlt in meiner Haut. Habe meinen Körper mit den ganzen Dehnungsstreifen richtig gehasst. Aber mit der Zeit wurde mir klar, dass seinen Körper zu hassen auch heißt, seine Herkunft und seine Geschichte zu hassen. Nach und nach habe ich gelernt, mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Mit meiner Kunst möchte ich jetzt allen zeigen, wie wichtig es ist, auf sich aufzupassen, seinen Körper zu lieben und dass jeder Mensch in seiner Einzigartigkeit wunderschön ist!

Warum ist es so wichtig, dass jede Frau ihren Körper liebt? Es gibt einfach nichts Besseres, als mit sich selbst glücklich zu sein. Selbstliebe macht uns stark! Wer sich selbst mag, fühlt sich wohl und sicher – und dieses Gefühl steht jedem Menschen zu.

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Die Künstlerin bei der Arbeit. ©Julian Essink

Wie findest du die Frauen, die du bemalst? Kommen sie auf dich zu? Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal gehe ich auf diejenigen zu, die ich gerne zeigen würde. Nachdem ich ihnen von meinem Projekt erzählt habe, machen die meisten auch mit. Viele fragen aber auch mich, ob sie Teil des Projekts werden können. Ich wähle allerdings gut aus, wen ich bemale. Mir ist es nämlich wichtig, die größtmögliche Körpervielfalt zu zeigen. Denn ich selbst habe mich oft unsichtbar gefühlt, weil ich nirgends einen Körper gesehen habe, der aussah wie meiner. Andere Frauen sollen sehen, dass sie nicht alleine sind.

Hat sich dein eigenes Körpergefühl verändert, seitdem du das machst? Ja, total. Das ganze Projekt hat mir geholfen, meinen Blick noch weiter zu öffnen und Körper ganz anders wahrzunehmen. Ich stelle jetzt alles infrage, was ich zum Thema Schönheit jemals gelernt habe. Nacktheit ist für mich inzwischen völlig normal. Ich habe mich von Scham frei gemacht, bin stärker geworden und habe verstanden, dass auch ich schön bin.

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Ein wunderschönes Ergebnis. ©Julian Essink

Wie reagieren andere Leute auf dein Projekt? Die Reaktionen sind wunderbar. Sehr viele Menschen fühlen sich davon angesprochen. Es bringt sie dazu, Normen zu hinterfragen. Ich bekomme so viele Nachrichten von Frauen aus der ganzen Welt, die dankbar sind für meine Arbeit. Sie sagen, dass ihre Körperwahrnehmung und ihr ganzes Leben durch mein Projekt verändert wurden.

Wie gehst du mit negativer Kritik um? Ich bekomme zum Glück nur wenig negative Kritik auf meinem Social Media-Profil. Aber auf Profilen, die meine Bilder geteilt haben, gab es schon häufiger negative Stimmen. Mir ist das ehrlich gesagt egal. Ich höre mir nur konstruktive Kritik an, die mir hilft, zu wachsen. Hasskommentare lese ich nicht. Meiner Meinung nach kommt so etwas nur von Leuten, die noch viel an sich arbeiten müssen.

Inzwischen nutzen viele große Konzerne das Thema Body Positivity als Vermarktungsinstrument. Wie siehst du diese Entwicklung? Je mehr Leute darüber reden, umso besser! Body Positivity soll eine noch größere und stärkere Bewegung werden. Niemand sollte sich von dieser Diskussion fernhalten – egal ob großer Konzern oder die Frau von nebenan. Deshalb: Redet auch ihr mit! Denn niemanden kann eure Geschichte besser erzählen als ihr selbst.

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Die Models sind happy mit ihrer Bemalung. ©Julian Essink