Mit nachhaltigen Jeans ein Statement setzen!

Langsam lassen die ersten Sonnenstrahlen unser Herz wieder höherschlagen, ein bisschen kann man sich schon wieder vorstellen, dass es auch eine Jahreszeit gibt, in der wir uns nicht unter übergroßen Jacken und Mänteln verstecken und es, ehrlich gesagt, auch keiner sieht, ob wir darunter unseren Schlafpulli, die bequeme Yogahose oder unseren Pyjama anhaben. Mit dem Frühling kommt zumindest bei uns auch eine große Lust, sich wieder mehr Gedanken über das Outfit zu machen. Ein schöner Basic-Style, der immer fresh und zeitlos ist, ist eine simple Jeans mit einem weißen Shirt.

Fast-Fashion auf Kosten von Umwelt und Gesundheit

Mit dieser Kombi kann man eigentlich nicht viel falsch machen, oder? Doch das kann man. Nicht beim Look, der unterliegt der angesagten Mode und auch dem eigenen Geschmack – und über den lässt sich bekanntlich ja nicht streiten. Aber wisst ihr eigentlich, wer eure Jeans wie hergestellt hat? Man sieht es ihnen nicht an, aber bis konventionell produzierte Jeans im Laden liegen, haben sie bereits einen ziemlich miese Ökobilanz: Bis zu 8000 Liter Wasser werden pro Hose verbraucht und bis zu 23 kg CO2-Emission fallen an. Um den Jeans einen besonderen Look zu verleihen, nehmen Unternehmen das Risiko in Kauf, dass Textilarbeiter in sogenannten Sweat Shops an Lungenerkrankungen sterben. Beim Sandblasting entsteht ein gesundheitsschädlicher Staub, der, wenn er eingeatmet wird, zur unheilbaren Lungenkrankheit Silikose (auch Staublunge genannt) führen kann. Zusätzlich wird die Denim-Ware mit schädlichen Chemikalien bearbeitet, um hellere optische Waschungen zu erhalten. Diese Stoffe tragen wir dann direkt auf der Haut. Solche Jeans können günstig hergestellt werden – auf Kosten der Umwelt, der Gesundheit und den Lebensumständen der Arbeiter und Arbeiterinnen in Textilfabriken – und sind so ein perfektes Produkt der Fast-Fashion-Industrie.

Jeans

 

Wer macht es besser?

Doch es gibt auch andere Hersteller, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Denim-Mode nachhaltig und fair zu produzieren. Heute stellen wir euch drei Labels vor, die einen Unterschied machen: Kuyichi ist Pionier in Sachen Fair Trade, bei MUD Jeans kann man seine Klamotten auch leasen und Goodsociety stellt Hosen her, die zu 100 % vegan sind.

Kuyichi: Vorreiter der Fair-Trade-Jeans

Als 2001 das niederländische Label Kuyichi gegründet wurde, kannten die meisten die Bezeichnung Fair Trade bislang nur im Zusammenhang mit Kaffee und Schokolade, aber Fair-Trade-Jeans das war neu. Die ursprüngliche Idee, großen Denim-Herstellern fair produzierte Bio-Baumwolle zur Herstellung zu vermitteln, stieß auf Desinteresse bei den Labels. Also blieb nur die Option, eine eigene Marke zu entwickeln mit dem Ziel, bei der Produktion die ethischen und ökologischen Standards zu erreichen, die wir heute mit dem Begriff Organic Revolution verbinden. Immer noch ist sie für viele Fair-Trade-Start-ups so etwas wie die große Schwester, die sich viele Privilegien schon erkämpft hat und somit den Boden für eine weitere Entwicklung bereitet hat. Kuyichi ist der Name des peruanischen Gottes des Regenbogens, der Farbe unter die Menschen bringt. Einen ganzen Blumenstrauß an unterschiedlichen Looks von Skinny über Slim und Straight bis zu Boyfriend finden sich in der Kollektion – für jeden Style der passende Cut. 100% der Baumwollkollektion von Kuyichi ist aus nachhaltigen Rohstoffen, organischer Baumwolle, Leinen, Soya und Lenpur (wird ausschließlich aus Zellulose aus dem Rückschnitt von Bäumen in der Forstwirtschaft gewonnen – also nur aus dem „Abfall“, kein zusätzliche Pflanze wird gerodet). Seit 2012 verwendet die Marke auch recycelte Bio-Baumwolle – 2017 waren einzelne Teile der Kollektion bereits aus 13 % und aus 29 % recyceltem Denim. Und der Wunsch ist es, diesen Anteil noch zu erhöhen.

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Damit du die Jeans von Kuyichi möglichst lange tragen kannst, haben die Jungs und Mädels des Labels ein paar Pflegetipps zusammengestellt:

  • Wasche deine Jeans nicht zu oft. Hänge sie lieber mal ein paar Stunden an die frische Luft (mit etwas Glück auch in die Sonne) oder nehme sie mit ins Badezimmer, wenn du duschst – der feuchte Dampf reinigt sie auf ganz natürliche Weise.
  • Solltest du die Hosen doch waschen, immer auf links und mit geschlossenem Reißverschluss, um das Ausbleichen der Farbe und kleine Schäden zu vermeiden.
  • Stopfe die Waschmaschine nicht zu voll und verwende am besten nur eine kleine Menge an Bio-Seife oder -Waschmittel.

So bleibt er einem am längsten erhalten, wenn man einen Liebling gefunden hat ;)

MUD Jeans: Warum kaufen, wenn man auch leasen kann?

Warum nicht auch Jeans leihen? In Zeiten von Share Economy und dem Wunsch danach, nicht alles besitzen zu müssen, sondern sich von unnötigem Ballast zu befreien, scheint es nur konsequent, dass man jetzt auch Hosen leasen kann. Das ebenfalls niederländische Label MUD Jeans bietet diesen Service seit 2013 an und schafft damit einen Gegenentwurf zur Fast-Fashion-Industrie. Die Macher setzten ihr Ziel der Abfallreduktion konsequent um: Mit jedem Kauf einer Jeans hat der Käufer oder die Käuferin drei Möglichkeiten.

  • Die Hose wird bezahlt und behalten.
  • Per Ratenzahlung über ein Jahr wird die Hose geleast und kann dann nach zwölf Monaten gegen ein neues Modell getauscht werden, das weiter geleast wird. Das alte Modell wird entweder recycelt oder upcycelt zu einem angesagten Vintagemodell.
  • Ebenfalls Ratenzahlung, aber nach einem Jahr behält die Käuferin oder der Käufer die Hose.

MUD Jeans verfolgt mit seiner Kreislaufwirtschaft so straight das Ziel, nachhaltig mit den Rohstoffen zu arbeiten.

Um wieder an unsere Aufzählung der konventionellen Jeansproduktion anzuknüpfen, möchten wir hier ergänzen, dass die Nicht-Bio-Baumwollproduktion 24 % des weltweiten Markts der Schädlingsbekämpfungsmittel und 11% des globalen Pestizidverkaufs ausmacht – damit ist sie die pestizidintensivste Landwirtschaft überhaupt, obwohl nur auf 2,4 % des weltweit bebaubaren Landes Baumwolle angebaut wird. Um die Bio-Baumwolle, aus der MUD Jeans hergestellt werden, zu produzieren, werden keine Schädlingsbekämpfungsmittel und Pestizide verwendet. Außerdem werden 70 bis 80 % aller Bio-Baumwollplantagen mit Regenwasser bewirtschaftet und werden nicht künstlich bewässert, was im konventionellen Anbau die Regel ist. Somit ist der Wasserverbrauch für eine Bio-Jeans wesentlich geringer als für eine hergebrachte. Wie oben bereits geschrieben, werden bei der Herstellung einer solchen etwa 7-8000 Liter Wasser verbraucht, eine neue MUD-Jeans benötigt nur etwa 1550 Liter, eine upgecycelte noch weniger, nämlich 777 Liter. Für die Waschungen werden keine schädlichen Chemikalien wie beispielsweise Kaliumpermanganat verwendet und es wird auch kein gesundheitsgefährdendes Sandblasting betrieben, sondern MUD kreiert die Looks mithilfe von Laser und Ozon, was die Klamotten weniger angreift und haltbarer macht.

MUD Jeans denim

Wer seine alte Hose nicht mehr tragen möchte, kann sie zurücksenden an MUD Jeans, die dann entscheiden, ob das Kleidungsstück noch tragbar ist (und eventuell nur ausgebessert werden muss) oder aber ihr Leben in einer neuen (recycelten)Form weiterführen kann. Dann heißt es: Upcycling zu einem Unikat (es bekommt den Namen des alten Trägers/der alten Trägerin) oder Recycling. Bei Letzterem werden alte Denim-Klamotten in Fabriken in Italien oder Spanien gesammelt, in Fasern zerteilt und zusammen mit einem neuen Anteil von Bio-Baumwolle erneut zu Jeansstoff verarbeitet. Und dann beginnt die ganze Geschichte von vorne: Mensch leiht oder kauft eine neue MUD Jeans, vielleicht verliebt er oder sie sich auf Lebenszeit, vielleicht ist es nur eine kurze Affäre und die gute Hose wird gegen eine neue getauscht. Ganz wie im wirklichen Leben: nicht alle Beziehungen halten ewig, aber jede Hose hat ihre Bestimmung…

Wir haben bei MUD Jeans nachgefragt, wie das Denim-Leasing bei den Kunden ankommt.

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Avocado Store: Wie viele Menschen nutzen die Möglichkeit, dass man bei euch Jeans auch leihen kann?

MUD Jeans: Bislang haben schon etwa 5000 Kunden eine Jeans geleast – und die Zahl steigt stetig. Ganz nach dem Motto: „Once a leaser, always a leaser.“

Avocado Store: Wie viele von ihnen tauschen die getragene Klamotte gegen ein neues Leasingmodell und wie viele entscheiden sich, die Jeans für immer zu behalten?

MUD Jeans: Etwas 80 % der Leaser tauschen ihre abgetragene Hose gegen ein neues Paar aus – manchmal lassen sie sich die gleiche Jeans noch mal schicken, viele nutzen aber auch die Möglichkeit, immer wieder etwas Neues auszuprobieren, sei es eine andere Farbe oder ein anderes Modell.

Avocado Store: Wie habt ihr es geschafft, eure Kunden davon zu überzeugen, Jeans zu leasen?

MUD Jeans: Das kann nur funktionieren, wenn die Leute ihre Einstellung zum Thema „Besitz“ ändern und bereit sind, alternative Möglichkeiten kennenzulernen. Das hört sich natürlich erst mal gut an: vom Besitz zum Zugang. Aber man braucht auch Menschen, die diese Vision tatsächlich zum Leben erwecken. Die Idee der Share Economy ist in der letzten Dekade immer weiter in der Gesellschaft angekommen und hat viele neue Plattformen und Projekte entstehen lassen. Wir nutzen AirBNB, wenn wir reisen, und vor allem in Großstädten ist es einfach praktischer, Autos mit anderen zu teilen. So hat unser Jeans-Leasing über die Jahre immer mehr Zuspruch gefunden.Vor allem die Generation der Millennials ist offen dafür, Neues auszuprobieren – aber es ist ihnen auch wichtig, das mit ihrer Überzeugungen in Einklang zu bringen. Sie sind stolz darauf, ein Paar Jeans zu leihen und damit ein Statement zu setzen. Es unterstützt ihre Haltung – das, wofür sie als Person einstehen. Diese Gruppe hat den Anspruch an Marken, nicht nur Produkte zu verkaufen, sondern auch für eine größere Idee einzustehen.

Avocado Store: Wie ist das Feedback eurer Kunden auf das Leasing-Angebot?

MUD Jeans: Menschen machen die verrücktesten Dinge und verblüffen uns immer wieder. Wenn wir die Päckchen mit den zurückgeschickten Jeans öffnen, sind auch wir überrascht. Manchmal schicken uns die Träger oder Trägerinnen Süßigkeiten zusammen mit den Hosen, auch Fotos oder selbst gemalte Bilder – und es war sogar schon der ein oder andere Liebesbrief dabei. Jeans sind zuverlässige Begleiter und wenn wir sie oft tragen, entwickeln wir fast so etwas wie eine Beziehung zu ihnen: Sie sind dabei, wenn wir feiern, wenn wir das erste Mal geküsst werden, beim Strandspaziergang und in der Prüfung – mit ihnen bestehen wir Abenteuer und teilen Erinnerungen. Deshalb ist es oft gar nicht so leicht, sich zu verabschieden und die Hosen zu uns zurückzuschicken, fast so, als wenn man sich von einer geliebten Person trennt. Aber glücklicherweise suchen sich viele unserer Kunden ein neues paar Jeans aus…

Goodsociety: 100 % vegane Hosen

Mit Goodsociety bleiben wir sozusagen in der Nachbarschaft von uns. Der Besitzer des Hamburger Labels Dietrich Weigel hatte schon Mitte der Achtzigerjahre die Idee, nachhaltige Jeans zu produzieren – bis zur Übernahme von Goodsociety 2007 hat es dann aber doch noch ein bisschen gedauert. Für Weigel steht der Mensch und sein Umgang mit der Welt im Zentrum der Marke. Die Vision ist es, ein besseres Leben für alle zu ermöglichen. Das bedeutet nicht nur, dass ausschließlich GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle zur Herstellung verwendet wird und das Label PETA-zertifiziert ist – also tierfreundlich handelt –, sondern auch, dass Goodsociety ein Viertel seiner Gewinne an gemeinnützige Organisationen wie die SA Foundation spendet. Mit ihrer Hilfe werden junge Mädchen, die zur Prostitution gezwungen wurden oder Opfer von Menschenhandel werden, dabei unterstützt, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten und langfristig wieder ein normales Leben führen zu können. Die Fertigung der Jeans erfolgt in erfahrenen lokalen Manufakturen in Italien – so werden weite Transportwege (und CO2-Emission) vermieden. Fast jede Jeans ist mit einem Backpatch versehen, das den Markennamen oder das Logo trägt. Ein Großteil dieser Patches wird aus Leder hergestellt – Goodsociety achtet darauf, diese kleinen Flicken aus Alcantara herzustellen, einem Mikrofaserstoff aus Polyester und Polystyrol – somit sind die Jeans zu 100 % vegan.

Good

Alle Jeans-Modelle findet ihr bei uns auf avocadostore.de.

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