Interview mit Ethnotek zum Thema fair gehandelte Rucksäcke

Rucksäcke sind wieder sehr angesagt und wenn man einen ganz besonderen sucht, findet man ihn bei Ethnotek. Jake, der Gründer des Labels erzählt uns im Interview, wie die Idee zu den Rucksäcken aus handgewebten Thread-Textilien (Fäden & Garn) entstanden ist und erzählt uns alles über die fairen Herstellungsbedingungen.

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Jake (ganz rechts) und seine Mitarbeiter bei einer Produktionsbesprechung

Aleks vom Avocadostore: Wie seid ihr auf die Idee gekommen „Ethnotek“ zu gründen?

Jake, Gründer von Ethnotek: Der Gründungsgedanke für Ethnotek entstand auf einem einsamen Motorradtrip durch die Berge im Norden Vietnams. Dort lernte ich die ursprüngliche Gemeinschaft der Hmong Hill Tribes (Hmong Bergstämme) in den Regionen um die Städte Sapa, Lao Cai und Bac Ha kennen. Ich erinnere mich an den Anblick meiner schlammverdreckten Schuhe, nachdem ich den ganzen Tag in der Hochlandschaft gewandert war. Dieser Anblick hat mich für einen kurzen Moment mein modernes Leben und meine Erziehung vergessen lassen. Ich komme aus den Vereinigten Staaten, dem Land der spritgurgelnden SUVs und dreifach frittierten Twinkies am Spieß. Mmmh frittierte Twinkies, ich schweife ab. Das war im Jahr 2007 und die Menschen, die  ich seit einigen Wochen kennen lernte , lebten noch immer so wie vor hunderten von Jahren. Ich dachte mir, welches Glück wir hätten, dass dieser Lebensweg immer noch existiert. Mich überkam ein Gefühl der Verantwortung und der Inspiration. Anstelle eines moralisierenden Blogs, in dem ich die Menschen zur Schau stelle, habe ich mir gedacht, warum nicht die Werkzeuge nutzen die mir zur Verfügung stehen um die Geschichte dieser Kultur zu verbreiten? In der Region entdeckte ich die schönsten gestickten und handgearbeiteten Stoffe, die ich bisher gesehen hatte. Mein Beruf war zu dieser Zeit Taschendesigner. Wieso also nicht beides kombinieren und ein einzigartiges Produkt erstellen, dass die Kultur der handgearbeiteten Textilherstellung mit einem nützlichen Rucksack oder Messenger Bag verbindet?
Boom, die Ethnotek Idee war geboren! Erst kurz nachdem ich die Idee für Ethnotek hatte, erfuhr ich wie bedroht das Handwerk und die Kultur der Handwerker war. Der steigende Bedarf nach Arbeitskräften in der industriellen Textilfertigung, sowie die sinkende lokale Nachfrage nach den Stoffen gefährdete das Handwerk. Ich trug den Ethnotek-Gedanken in mir bis in das Jahr 2010 und erst dann fing ich an die Brandstory, die ersten Designs und den Businessplan zu entwickeln. Wir starteten im Juli 2011 nachdem wir eine erste Bestellung über 300 Raja Rucksäcke erhielten. In meiner 1-Zimmer-Wohnung in LA spielte ich Karton-Tetris! Zwei Wochen nach dem Start kontaktierte uns REI, einer der größten US Outdoor Einzelhändler und nach meiner Rückkehr nach Vietnam, fingen wir an, Lieferungen nach Japan zu kommissionieren. Jetzt wurde mir klar, dass dieser Traum Wirklichkeit wird.

Aleks: Wo genau kommen die Materialien für die Rucksäcke her und wie handhabt ihr das mit den Transportwegen?

Jake: Die handgearbeiteten Thread-Textilien stammen aus Quetzaltenango, Guatemala, Bonwire Ghana, Afrika, Surakarta, Indonesien, Bhuj, Indien, Cham Village und die Region Sapa, Vietnam. Die Nylon Materialien beziehen wir aus Süd-Korea. Unser Standard-Transportweg ist per Seefracht, aber wir fliegen die Waren auch ein, wenn es nötig ist. Innerhalb der EU versendet der deutsche Vertriebspartner Gustavo Trading. Die Waren werden in gebrauchten Kartons per DHL GoGreen ausgeliefert.

 

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Der Ethnotek „Raja“ Rucksack

Aleks: Inwieweit ist „Ethnotek“ fair & sozial produziert?

Jake: Wir versuchen nicht, die Kunsthandwerkern runter zu handeln sondern wir zahlen den gefragten Preis pro Material-Meter und haben die langen Herstellungszeiten (deutlich länger als der Industrie-Standard) in unsere Wertschöpfungskette eingeplant. Wir folgen damit den Prozessen der Kunsthandwerker und überlasten ihre Kapazitäten nicht. Wir machen eine 50% Anzahlung, damit die Kunsthandwerker nicht für alles in Vorleistung gehen müssen. Unsere Näherinnen und Näher in der Werkstatt in Vietnam, werden 72% oberhalb des Mindestlohns bezahlt. Zusätzlich zum Basis-Lohn bezahlen wir unseren Angestellten Wohnungszuschüsse, Benzingeld, Mittagstisch, Gewerkschaftsbeiträge, Sozialversicherung, Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung. Zusammengerechnet entspricht dies mehr als dem doppelten des Mindestlohnes. Alle Näherinnen und Näher sind älter als 20 Jahre alt, wir sind Freunde geworden und essen häufig gemeinsam zu Abend oder trinken ein Bier nach der Arbeit. Wir feiern gemeinsam Geburtstage, Hochzeiten und es läuft auch Musik während wir arbeiten. Es gibt keine Kleiderordnung bei uns und die Wohnsituation ist nicht arbeitsabhängig fixiert, wie das häufig in China der Fall ist. Unsere Werkstatt wird vollständig über ein umweltfreundliches Wasserdampf-System klimatisiert.

 

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Ethnotek-Produktion
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Ethnotek-Produktion

Aleks: Vielen Dank für die spannenden Einblicke und wir wünschen euch weiterhin alles Gute für die Zukunft!

Die Rucksäcke und Taschen von Ethnotek findet ihr hier.