Unterstützung gesucht: Crowdfunding Kampagne von BAGHI

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Handstempeldruck in Aktion – mühevolle Handarbeit für die akurat gearbeitet werden muss.

2008 gründete die Journalistin Susan Bohn ihr Label „BAGHI“, was auf Hindi „Rebell bedeutet. Susan Bohn arbeitet mit Kooperativen in Indien, Nepal und Mauritius zusammen und will mit ihrer Mode auch zeigen, dass die Zukunft der Mode aus fair hergestellter Kleidung besteht.

Mimi: Susan, uns würde brennend interessieren, wie du als Journalistin auf die Idee gekommen bist, selbst faire Mode und Yogaprodukte zu verkaufen. Hattest du bereits Erfahrung in dem Bereich?

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Zwei Textilproduzenten mit Susan Weber von BAGHI

Susan: Ich hatte zu dem Zeitpunkt 15 Jahre als Reporterin gearbeitet, mein Mann war in einer online-Nachrichtenredaktion, das ist ganz schön stressig. Zudem hatten mein Mann und ich Panik, dass wir, wenn unser Sohn in die Schule kommt, nicht mehr soviel reisen können. Wir haben dann beschlossen, eine Auszeit zu nehmen, bevor unser Sohn vor 8 Jahren in die Schule kam. Wir waren zweimal für ½ Jahr in Indien. Vor Ort haben wir die Stoffstempeldrucker Kooperativen besucht und die Meister kennengelernt. Ich war sofort Feuer und Flamme für diese faszinierende Handwerkskunst. Bei startnext habe ich ein Video, wo man sieht, wie erst die Stempel hergestellt und dann die Stoffe damit bedruckt werden. Nachdem unser Sohn in die Schule gekommen war, wollten wir nicht mehr in unsere alten Jobs zurück. Wir wollten die Menschen unterstützen, die wir in Indien kennengelernt hatten und die so wunderbare Dinge produzieren.

Mimi: Du verkaufst ja eine Vielfalt von Produkten, die auch oft aus verschiedenen Ländern kommen. Wie findest du neue Produkte und nach welchen Kriterien wählst du diese aus? Arbeitest du eng mit den Kooperativen zusammen?

Susan: Ich verkaufe viele Textilien, die aber derzeit nur von drei Produzenten (einer in Mauritius und zwei in Rajasthan) hergestellt werden. Nepal hat seit dem Erdbeben vor mehr als einem Jahr Probleme zu produzieren, weil es so schwierig ist, an Stoffe zu kommen, denn die müssen aus Indien importiert werden…

Mimi: Du bist seit kurzem Weltladen-Lieferant, was bedeutet das genau? Und war es schwierig, sich hierfür zu zertifizieren?

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Susan Weber von BAGHI

Susan: Man wird auf „Herz und Nieren“ überprüft, und das finde ich auch richtig. Ich muss nachweisen, dass ich meine Produzenten zeitnah bezahle. Die Arbeiter stammen ja meist aus ganz einfachen Verhälfnissen. Und hier ist auch das Thema „Living Wages“ sehr wichtig. Die Leute vor Ort müssen von ihrem Einkommen leben können: Miete, Essen und auch die Schulbildung für ihre Kids bezahlen können. Das ist mir wichtig. Dann musste ich die Situation vor Ort dokumentieren: die Arbeiter bekommen beispielsweise zweimal im Jahr einen ärztlichen checkup umsonst, sie dürfen sich in Gewerkschaften zusammen schließen, haben gut ausgestatte Arbeitsplätze und bekommen Überstunden natürlich bezahlt und auch Urlaubsgeld. Der Antrag umfasst 40 Seiten und man muss noch viele Steuer- und Zoll Dokumente nachweisen. Weil ich meine Produzenten zweimal im Jahr besuche bin ich aber immer gut informiert, wie es den Arbeitern geht und wie die Situation vor Ort ist.

Mimi: Ein Teil deiner Bekleidung ist mit dem Handstempeldruck bedruckt. Wie funktioniert das denn, und warum ist das so besonders?

Susan: Der Handstempeldruck ist eine 600 Jahre alte Handwerkskunst. Zu Beginn trugen

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So werden die Stempel gemacht.

nur die Mahajaras und Adlige diese aufwändig bedruckte Kleidung, die teilweise mit echtem Gold oder Silber durchwirkt war… Damals bestand ein Druck aus bis zu 27 verschiedenen Stempeln. Man braucht nämlich für jede Farbe einen separaten Stempel. Das ist eine Riesenarbeit. Heute gilt ein sieben Farben Druck als sehr aufwändig. Der Stempelmeister braucht eineinhalb Stunden um einen Meter Stoff mit sieben Stempeln/ Farben zu bedrucken. Erst macht der Stempelschnitzer die Stempel nach meinen Wünschen, dann wird ein Probedruck vom Stempelmeister gemacht. Er schaut, dass alles Stempel ineinanderpassen und keine Farbe überlappt. Mich fasziniert, wie exakt aus der Hand gestempelt wird. Ohne ein

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Kein Vergleich zu industrieller Herstellung

Lineal oder eine Stütze anzulegen, weiß der Stempelmeister haargenau, wie er den Stempel ansetzen muss. Diese Handwerkskunst wird nur noch in wenigen Werkstätten praktiziert, denn die indischen Kunden heutzutage bevorzugen den perfekten industriellen Druck. Dadurch gaben viele traditionelle Betriebe diese Handwerkskunst auf. Das Wissen wird traditionell vom Vater auf den Sohn vererbt. Seit wenigen Jahren gibt es auch Frauen, die die Stempelkunst erlernen.

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So toll kann das Endergebnis dann aussehen.

Mimi: Vielen Dank für das Interview! Für alle, die BAGHIS Engagement für Handstempeldruck-Produkte und für die neue Sommerkollektion unterstützen wollen, gibt es seit 30. April die Möglichkeit, bei Startnext die Crowdfunding Kampagne zu supporten. Näheres dazu unter diesem Link: startnext.com/baghi

Produkte von BAGHI findet ihr bei Avocadostore.de auch hier.