Risiken der Ledergerbung

Unsere ehemalige Mitarbeiterin Yola Kiwok war in Bangladesch unterwegs und hat sich dabei über die herkömmliche Ledergerbung informiert. Hier ihr Bericht aus Bangladesch:

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Wenn man durch das Viertel Hazaribagh in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, läuft, wird schnell klar, was hier verarbeitet wird: auf dem Boden findet man Fellreste, LKWs sind mit Rinderhäuten beladen und in den Abwasserkanälen neben dem Bürgersteig fließt eine künstliche, hellblaue Flüssigkeit. Hazaribagh ist das Gerbereiviertel Dhakas.

Rund 300 große und kleine Betriebe gerben und färben hier Tierhäute, damit diese später zu Schuhen, Taschen, Kleidung oder Autositzen weiter verarbeitet werden können. Das Viertel gehört laut dem amerikanischen Blacksmith Institute zu den zehn Orten, die weltweit der größten Umweltverschmutzung ausgesetzt sind und befindet sich damit auf einer Liste mit Tschernobyl. Warum das so ist, ahnt auch der ungeschulte Besucher, wenn er den Fluss erreicht, der das Viertel begrenzt: hier landen die im Gerbprozess verwendeten Chemikalien meist völlig ungefiltert im Wasser. Und noch etwas beginnt man am Fluss zu begreifen: die gesundheitlichen und ökologischen Folgen der Lederverarbeitung beschränken sich nicht auf die Gerbereien (was an sich schlimm genug wäre), sondern wirken sich massiv auf die Menschen aus, welche im Viertel und flussabwärts leben.

Aber was genau läuft da eigentlich ab, in den Fluss?

Um das nachzuvollziehen, muss man sich einmal die Verarbeitung von Leder anschauen. Ziel des Gerbens ist es, die tierische Haut haltbar zu machen und den natürlichen Prozess der Verwesung zu stoppen. Gleichzeitig machen die Gerbstoffe das Leder weich. In einer Reihe von Schritten wird die Haut von Rind, Ziege, Schaf oder Schwein für die Gerbung vorbereitet. Dafür wird sie unter anderem gesäubert, von Haaren und restlichem Gewebe befreit und durch die Behandlung mit Enzymen und manchmal auch Schwefelsäure aufnahmefähig für Gerbstoffe gemacht. Nach der Gerbung folgen weitere Prozesse, in denen die Haut entwässert, gefalzt, nachgegerbt, gebleicht, gefärbt und mechanisch behandelt wird. Während des gesamten Verfahrens fallen Abwässer und Lederabfälle an, die mit unterschiedlichen chemischen Stoffen belastet sind. Selbst kleinste Leder- und Fettreste werden häufig zu Seifen oder Tierfutter weiterverarbeitet.

Für das Gerben selbst gibt es unterschiedliche Verfahren.

Beliebt, aber riskant: Gerben mit Chrom III-Salzen

Die Gerbung mit Mineralsalzen ist am schnellsten und kostengünstigsten und wird daher am häufigsten genutzt. Weltweit werden circa 90 Prozent des Leders mit Chrom III-Salzen gegerbt. Problematisch an der Chromgerbung ist, dass der Prozess sehr anfällig für Fehler ist. Schon geringste Ungenauigkeiten im Verhältnis von Chrom zu Wasser, der Dauer der Gerbung oder der Temperatur können dazu führen, dass das stark krebserregende Chrom VI entsteht. Das ist nicht nur gefährlich für die Mitarbeiter und Anwohner der Gerbereien, sowie für die unmittelbare Umwelt, sondern auch für die Verbraucher, denn Chrom VI kann sich noch im fertigen Produkt bilden. Für eine umwelt- und gesundheitsschonende Gerbung mit Chrom III-Salzen ist es daher unabdingbar, dass die Mitarbeiter über eine ausreichende Schutzkleidung verfügen, die Abwässer geklärt werden und das Verfahren präzise durchgeführt wird. Zudem sollten die verwendeten Gerbstoffe recycelt werden.

Chromfrei Gerben mit Synthetik oder Rhabarber

Natürlich gibt es Alternativen zur Chromgerbung. Und ja, einige davon findet ihr auch bei Avocadostore.de.

Die synthetische Gerbung verwendet künstliche Gerbstoffe (z.B. Formaldehyd, Phenole und Acrylate). Sie kann in Kombination mit pflanzlicher oder mineralischer Gerbung erfolgen. Die vegetabile Gerbung ist die älteste Art, um Leder haltbar zu machen. Hier werden pflanzliche Gerbstoffe genutzt, beispielsweise aus Olivenbäumen oder Tee. Bei dem Luxus-Label deepmello wird sogar mit der Wurzel von Rhabarber gegerbt. Das ist garantiert frei von Schadstoffen. Überhaupt zeigen Labels wie O My Bag und NINE TO FIVE, dass edle Leder-Accessoires auch ohne Chrom gut aussehen und hochwertig sind. Das gilt natürlich auch für die Schuhe von KAVAT, ekn und Veja.

Dann lieber ohne Tier: vegane Labels

Wer überhaupt keine Tierhaut an sich haben will, wird bei bei veganen Schuh-Labels wie Bahatika, Wills London  und Ethletic  fündig.

Noch natürlicher wird es bei der „veganen Lederjacke von Bleed . Die ist nämlich aus Kork.