Gärtnern auf Balkonien

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Gemüse anbauen ist nicht nur hip und angesagt, sondern auch noch richtig nachhaltig!

Wer sein eigenes Gemüse erntet, spart CO2, Chemikalien und Wasser. Schließlich kommt das meiste Discounter-Gemüse aus Ländern, die etwas weiter weg sind und wo Wasser knapper ist als bei uns. Da in der Stadt der eigener Garten meist eine Wunschvorstellung bleibt, konzentrieren sich viele Stadtgärtner auf den Balkon. Natürlich sind die Bedingungen hier oft nicht ganz optimal, für alle die aber trotzdem nicht auf frisches, selbstangebautes Gemüse verzichten wollen, haben wir 5 Tipps für maximale Ernteerfolge auf minimalem Raum zusammen gestellt.

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  1. Die richtige Erde

Das wichtigste für eine ertragreiche Ernte ist ein nährstoffreicher Boden. Am besten eignet sich die Erde vom eigenen Komposthaufen. Da der generell nicht auf den Balkon passt, muss eine andere Lösung her. Die meisten Hobbygärtner greifen zu Blumenerde aus dem Super- oder Baumarkt. Diese enthält jedoch oft Torf. Torfabbau zerstört Moore und damit komplexe Ökosysteme sowie Lebensräume von selten gewordenen Tieren. Wenn der abgebaute Torf trocknet, wird über Jahrhunderte gespeichertes CO2 freigesetzt und trägt so zur Klimaerwärmung bei (Quelle: hier). Eine tolle und nachhaltige Alternative bietet da z.B. die Hamburger Stadtreinigung, die Kompost aus städtisches Biomüll und Grünschnitt zu einem unschlagbaren Preis verkauft (Link). An vielen deutschen Recyclinghöfen kann man Erde aus Biomüll kaufen und sorgt so gleichzeitig für geschlossene Wertstoffkreisläufe. Einfach mal recherchieren oder beim lokalen Recyclinghof nachfragen.

Wer nicht immer wieder neue Säcke schleppen will, um den Nährstoffgehalt seiner Erde zu sichern, kann auch den Bokashi Küchen-Komposter verwenden und so frischen Dünger aus Bioabfall gewinnen.

  1. Pflanzen und Saatgut

Klar kann man auf dem Balkon auch Kartoffeln anbauen. Gemessen an Aufwand und Platz wird sich der Erfolg jedoch eher in Grenzen halten. Gefragt sind hier Pflanzen, die auf kleinem Raum gute Erträge bringen. Kräuter sind da die erste Wahl. Dank der einfachen Pflege sind sie auch für absolute Anfänger eine tolle Option. Wer nicht die Geduld hat, kleine Pflänzchen aus Samen zu ziehen, kauft sich ein paar Töpfe im Supermarkt (am besten natürlich Bio) und pflanzt sie aus. Das Auspflanzen ist hierbei besonders wichtig, da die Nährstoffe im Topf meist nur vom Supermarkt bis nach Hause reichen. Mit ein bisschen frischer Erde, einem größeren Topf und genügen Wasser bieten die Kräuter den ganzen Sommer lang Würze für leckere Gerichte oder Drinks.

Erst hübsch blühend, dann lecker zum Naschen, machen sich auch Erdbeerpflänzchen gut im Balkonkasten. Wer noch einen Schritt weitergehen will, lässt ein paar Tomaten einziehen und genießt bis zum Herbst saftige Früchte. Hier sollte jedoch auf ein wind- und regengeschütztem Plätzchen (s. Punkt 3) sowie genügend Wasser geachtet werden.

Für alle, die nicht auf Blumenpracht verzichten wollen, gibt es Kapuzinerkresse und Sonnenblumen. Die würzigen Kresseblüten sind ein toller, essbarer Hingucker auf dem Salat und die Sonnenblumenkerne werden im Herbst zum selbstgerösteten Snack.

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Aus dem WG-Mülleimer gerettete Minze

Wer will, kann den Balkon auch zur Salatbar machen. Spinat, Rucola und Pflücksalat brauchen nicht viel Platz und bringen reiche Ernte. Das Blattgemüse am besten schon im Februar oder März im Balkonkasten auf dem Fensterbrett säen. Sobald es wärmer wird, ab nach draußen damit und an heißen Sommerabenden einen frischen Salat aus eigener Ernte genießen. Wer darauf achtet, Pflücksalat zu kaufen, kann den ganzen Sommer ernten, da die knackigen Blätter immer wieder nachwachsen.

Beim Samenkauf sollte man möglichst auf Bio-Saatgut zurückgreifen. Schon bei der Herstellung der Samen wird auf die ökologische Anbauweise der Mutterpflanzen geachtet und so die Umwelt geschont. Da das Saatgut meist aus lokalen Gärtnereien stammt, sind die Pflanzen an Klima- und Bodenverhältnisse der Umgebung gewöhnt und damit robuster als konventionelle Pflanzen. Natürlich wird so auch CO2 für den Transport gespart und die lokale Wirtschaft unterstützt. Bio-Gärtnereien bieten außerdem oft eine Vielzahl an verschiedenen und alten, vergessene Sorten an. So erhält man außergewöhnliches Gemüse und trägt ganz nebenbei zur Artenvielfalt bei.

  1. Vertikales Gärtnern

Wer auf dem Balkon gärtnern will, hat meist mit Platzmangel zu kämpfen. Zum Glück gibt es kreative Upcycling-Ideen, die alte Gebrauchsgegenstände in kleine Platzwunder verwandelt. So werden leere PET-Flaschen zu Turmgärten für Salat, Kräuter und Erdbeeren (Link) oder zu ultraleichten hängenden Blumentöpfen. (Link)


Paletten

Quellen: hier und hier

Auch eine alte Palette wird mit ein paar Handgriffen zum platzsparenden Kräuterbeet. (Link) Einfach passende Bretter unter die Querstreben nageln, mit Erde fühlen und bepflanzen. Auch ein Hängeorganizer kann zum vertikalen Garten umfunktioniert werden und spart so viel Platz.

Für alle, die nicht ganz so bastelaffin sind, gibt es z.B. die Upcycling-Pflanztasche von we love BEEing oder das Pflanzgestell von Urbanature. Die Pflanztasche kann überall aufgehängt werden, wo zwei Nägel oder Kabelbinder halten. Das Pflanzgestell wird nach der Balkonsaison einfach zusammen geklappt und spart so Stauraum in der Wohnung.

  1. Ein Aquarium als Gewächshaus

Die Guppys sind schon lange tot und auch die Stabheuschrecke hat bereits das Zeitliche gesegnet? Höchste Zeit dem ausrangierte Aquarium oder Terrarium wieder eine neue Aufgabe zu geben. Wie schon erwähnt mögen es Tomaten gerne warm und trocken. Wo ein Gewächshaus zu groß ist, kann der alte Glaskasten tolle Dienste als Mini-Gewächshaus leisten und die Pflanzen vor Regen und Wind schützen.

Salat

  1. Tu’s einfach!

Das klingt vielleicht nicht sehr aufschlussreich, aber ohne anzufangen wird niemand zum Gärtner. Auch wenn der Balkon klein ist und nicht viel Sonne abbekommt, ein paar Kräuter kann man immer ziehen. Keine Ahnung vom Gärtnern? Macht nichts. Probieren geht über Studieren. Auf den Samentütchen steht immer genau, wie die Pflanzen gepflegt werden müssen und auch das Internet ist voll von Foren, die sich ausschließlich mit Gemüsezucht auf dem heimischen Balkon beschäftigen. Also ab nach draußen, ein paar Samen kaufen und den Balkon in ein kleines, essbares Paradies verwandeln.