Auf der Spur der Bambuszahnbürste – ein Reisebericht aus China

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Unser Mitarbeiter Wanja war kürzlich für 4 Wochen mit dem Rucksack in China unterwegs und hat dabei die Gelegenheit genutzt, die Fabrik zu besichtigen, in der die hydrophil Bambuszahnbürsten hergestellt werden. Mitgebracht hat er interessante Einblicke und tolle Fotos – aber seht selbst:

Als Backpacker habe ich schon viele Länder bereist. Jedes Land hat seine eigene Kultur, eigene Traditionen und Bräuche. Die Volksrepublik China steht schon seit Jahren auf meiner Liste. Und zwar genau wegen der Kultur, die sich so völlig von der unseren unterscheidet. Auf der einen Seite ist China das Land mit der größten Bevölkerung, einem Wirtschaftswachstum, welches uns Deutsche neidisch gen Osten blicken lässt, und einer rasenden technischen Entwicklung. Auf der anderen Seite spricht ein Großteil der Bevölkerung kein Wort Englisch, die Landbevölkerung und ein Heer von Wanderarbeitern lebt in Armut und verrichtet einen Großteil der Arbeit mit Ihren Händen.

Im Sommer 2014 saß ich mit meinen beiden langjährigen Freunden Sebastian und Christoph von HYDROPHIL in einer Kneipe in Hamburg Hammerbrook und erzählte Ihnen von meinen Reiseplänen. Die beiden waren total begeistert und schlugen direkt vor ihre Produktionsstätte in der Nähe von Shanghai zu besichtigen, wenn ich sowieso in der Nähe wäre. HYDROPHIL vertreibt – auch bei avocadostore.de – verschiedene nachhaltige Produkte, u.a. eine Zahnbürste aus Bambus. Diese wird dort gefertigt, wo der Bambus wächst, also in China um möglichst emissionsarm produzieren zu können.

Ein paar Wochen später buchten meine Freundin Yasmin und ich unsere Flüge und im Januar flogen wir nach Shanghai. Obwohl ich schon in großen Städten wie New York oder Neu Dehli war, beeindruckt mich das Tempo, die Größe und Geschwindigkeit dieser Stadt. Hochhäuser wohin man hinblickt, tausende Menschen, die sich in moderne U-Bahnen quetschen und purer Luxus in der Innerstadt. Die Stadt hat, was ihre Größe und Bauwerke betrifft, seit den 90er Jahren NY und Tokio im Eiltempo überholt.

Nach vier Tagen in Shangai fahren wir mit dem Zug zwei Stunden in Richtung Süden, um uns mit den Produzenten von HYROPHIL zu treffen. Da Kleidung in China extrem wichtig ist, habe ich mein gutes Sakko dabei und der Hoody bleibt bei uns im Hotelzimmer.

Lee, der Besitzer der Produktion, holt uns früh morgens aus unserem Hotel ab und gemeinsam geht es zu einem Geschäftshochhaus ins Zentrum der Stadt. Im 18. Stock wird uns das Büro gezeigt und die Mitarbeiter vorgestellt. Das Büro erinnert mich ein wenig an das  Avocado Store Büro. Alle 10 Mitarbeiter sind in unserem Alter, es gibt einen Mini-Billardtisch und die Suche nach dem Beamerkabel dauert 15 Minuten, wobei alle mitsuchen müssen. Sympathisches Chaos. Nach einer Präsentation der Firma und Vorstellung der Produkte, die diese herstellt, müssen wir um Punkt 12:30 zum Mittagessen. Die Mittagspause ist in China heilig. Nach einem wunderbaren Essen im Einkaufszentrum fahren wir zur Produktionsstätte.

Ich bin unglaublich gespannt, wie es dort aussieht. Bis jetzt habe ich über chinesische Fabriken eher schlechtes gehört: Schlechte Arbeitsbedingungen, lange Arbeitszeiten, ungenügende Sicherheit. Da ich auch privat die Bambus-Zahnbürste nutze, hoffe ich sehr, dass meine Befürchtungen nicht zutreffen.

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Der chinesische Produzent von HYDROPHIL hat einige Siegel bzw. Zerfitikate, wie z.B. das FCS-Siegel (nachhaltige Forstwirtschaft) oder auch das CE Gütesiegel, womit bestätigt wird, dass die Produkte alle relevanten Sicherheits- & Gesundheitsanforderungen der Europäischen Union erfüllen.

Darüber hinaus verfügt die Fabrik über eine Auszeichnung vom VDE, einem deutschen Institut, welche die Produkte nochmal auf Produktsicherheit in Bezug auf die medizinische Voraussetzung testet. Aber da wir schonmal vor Ort sind, möchten wir uns ein eigenes Bild von den Arbeitsbedingungen machen.

Auf einer Landstraße kurz hinter der Stadtgrenze finden wir einen unscheinbaren Hof, auf dem sich ein kleines Familienunternehmen mit 12 Mitarbeitern befindet. Hier werden aus den Bambuslatten die Stiele gedrechselt. Ein Mann namens Tian sitzt in einer Art Garage an de Drechselmaschine und fräst aus dem Bambus die typische HYDROPHIL-Zahnbürstenform. Vor Tian liegt ein riesiger Haufen Sägespäne und die Luft ist voller Staub, weswegen er eine Schutzmaske und einen Parka trägt. Die Späne werden später zum Heizen genutzt.

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Es ist Muso-Bambus, der hier verarbeitet wird und aus den Provinzen Anhui, Fujian, Guangxi und Jiangxi stammt. Bambus wächst schneller als jede andere Pflanze der Welt. Dabei erzeugt er erheblich mehr Sauerstoff und bindet während des temporeichen Wachstums (max. 1 m/Tag) deutlich mehr CO2 als Bäume. Das wirkt sich regulierend auf das natürliche Ökosystem und positiv auf die Ökobilanz des Herstellungsprozesses aus. Beim Anbau von Bambus müssen keine Düngemittel oder Pestizide eingesetzt werden, da die Pflanze über eigene natürliche, antibakterielle Mittel verfügt.

Tian zeigt uns, was er noch alles herstellen kann und wir sind erstaunt, wie vielseitig dieser Rohstoff ist. Von der Sonnenbrille über Kaffeebecher bis hin zu Wattestäbchen ist alles möglich.

Kurz darauf verlassen wir die Produktion und fahren wieder in die Stadt. Als wir im Auto sitzen bin ich positiv überrascht, erleichtert und freue mich, meinen Freunden und Kollegen die guten Arbeitsbedingungen bestätigen zu können. Ein negatives Ergebnis hätte nicht nur mich selbst vom Gebrauch abgehalten, sondern auch einen Ausschluss beim Avocado Store nach sich gezogen.

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Zurück in der Stadt werden wir noch zum Essen in ein typisches lokales Fischrestaurant eingeladen und „müssen“ noch in eine Bar, in eine Band mit einer Mischung aus Englisch und Chinesisch einige 80er Jahre Pop-Songs singt.

An den zwei darauffolgenden Tagen werden wir von Mei und Lee durch die Stadt geführt und auf eine kleine heilige Insel begleitet. Hier lernen wir wirkliche chinesische Gastfreundschaft kennen. Irgendwann bin ich es leid, jedes Mal um die Rechnung kämpfen zu müssen.

Nach einem sehr herzlichen Abschied verlassen wir die Region um Shanghai, schalten das Handy aus und machen uns auf den Weg, weitere chinesischen Sehenswürdigkeiten zu besuchen.