Gemüse anbauen in der Stadt?

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Die Beweggründe sind unterschiedlich: Die einen wollen ihr eigenes Gemüse anbauen, weil sie dann genau wissen was drin steckt, andere mieten oft einen Acker, um ihren Kindern zu zeigen, wie viel Arbeit z.B. hinter einer Tomate steckt. Fakt ist, immer mehr Städter interessieren sich dafür, einen Garten oder einen Acker zu mieten.

Wir möchten euch heute die Initiative „meine ernte“ vorstellen, die deutschlandweit Ackerflächen in Stadtnähe (mit Anschluss zum ÖNV) zum Mieten anbietet. Markus Schmidt, der seit 2011 Teil des „meine ernte“-Teams ist, erklärt uns, wie es funktioniert und warum es sich lohnt, es auszuprobieren.

Mimi: In wie vielen Städten kann man über euch eine Fläche mieten? Und wieviele Menschen haben das 2014 getan? Gibt es Städte, wo mehr Nachfrage besteht als in anderen?

Markus: Wir gehen nun in die sechste Saison und freuen uns, dass wir inzwischen 28 Gemüsegarten-Standorte in ganz Deutschland haben. Sicherlich gibt es regionale Unterschiede in der Nachfrage, aber in der Regel übersteigt die Nachfrage das Angebot, so dass wir unsere Standorte erweitern als auch jedes Jahr neue Standorte dazu gewinnen. Im letzten Jahr haben fast 2.500 Gärtnerinnen und Gärtner mit uns gegärtnert und diese Saison werden es noch mehr werden.

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Mimi: Warum glaubst, begeistern sich immer mehr Menschen dafür, ihr eigenes Gemüse anzubauen? Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es durchaus schweißtreibend sein kann…

Markus: Dann hast Du aber sicher auch die Erfahrung gemacht, dass die Bewegung draußen sehr viel Spaß macht! Vielen geht es genau darum: Einen Ausgleich zur Schreibtischarbeit an der frischen Luft zu haben, mit den Händen in der Erde zu wühlen und dabei seinem eigenen Gemüse beim Wachsen zuzusehen. In Zeiten von sich wiederholenden Lebensmittelskandalen wollen die Menschen einfach wissen, wie ihr Gemüse heranwächst. Und dieses bekommt man nirgendwo frischer, als wenn man es selbst anbaut und erntet. Zudem bekommen wir immer wieder die Rückmeldung, dass sich viele über die Gemeinschaft in den Gemüsegärten freuen.

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Mimi: Als ich letztes Jahr bei euch eine Fläche gemietet hatte, war meine größte Sorge, die anderen Menschen, die meine Ackernachbarn sind (Anmerkung: Die Sorge war völlig unbegründet!). Wie würdest du eure Zielgruppe beschreiben? Nur Ökos und Rentner? ;-)

Markus: Unsere Zielgruppe ist sehr bunt gemischt. Über die Studenten-WGs und junge Familien bis hin zu älteren Menschen, die den Gemüsegarten noch von früher schätzen, sind alle mit dabei.

Mimi: Erklär doch mal, wie das jetzt genau funktioniert bei euch. Und was kostet es?

Markus: Wie bieten Gemüsegärten an, die zu Saisonbeginn Anfang Mai schon mit über 20 Gemüsearten ausgesät und bepflanzt sind. Unsere Gärtnerinnen und Gärtnern bewirtschaften dann ihren Gemüsegarten bis Ende Oktober, das heißt sie sehen nach dem Unkraut, führen kleinere Pflegemaßnahmen am Gemüse durch und Gießen, falls das nötig wird. Am Wichtigsten ist natürlich die eigene Ernte aus dem Garten. Hierfür bieten wir zwei Gartengrößen an: Der kleine Gemüsegarten ist 45qm groß und kostet einmalig 199 EUR, der Familien Gemüsegarten misst 90qm und kostet einmalig 369 EUR pro Saison. Im Preis enthalten sind neben dem bestellten Garten noch Gießwasser, Gartengeräte und eine umfangreiche Betreuung durch unsere Landwirte vor Ort und uns, zum Beispiel durch regelmäßige Gärtnerbriefe per Email.

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Mimi: Und was ist der Vorteil/Unterschied zu einem Schrebergarten?

Markus: Während man sich mit einem Schrebergarten durchaus eine schwierige Aufgabe durch die umfangreichen Vorschriften, Pflichten und Gepflogenheiten, die dort herrschen, aufhalsen kann, ist unser Prinzip viel einfacher. Man pachtet ein Stück Acker für eine Saison und kann sich ausprobieren. Und wem der Gemüsegarten gefällt, der bucht dann einfach für das nächste Jahr wieder.

Mimi: Habt ihr durchgerechnet, ob man tatsächlich in der Mietsaison mit einem Ackerstück soviel Gemüse erntet, dass es sich auch finanziell rechnet? Also erntet man mehr Gemüse, als man im Bio-Supermarkt kaufen kann? Oder geht es hauptsächlich um den Spaß- und Lernfaktor?

Markus: Wir wissen, dass viele unserer Gärtnerinnen und Gärtner sich Gedanken machen, wo sie all das Gemüse, das sie während der Saison ernten, unterbringen sollen. Aber auch hier haben wir Tipps zur Lagerung, Einfrieren oder Einkochen parat. Die Erntemenge ist riesig! Aber selbstverständlich soll der Garten auch Spaß machen – und das tut er auch. Und wir garantieren, dass man über die Saison eine Menge lernt!

Mimi: Ihr pflanzt gut 2/3 der Mietfläche vor, wie entscheidet ihr, was gepflanzt wird?

Markus: Bei über 20 Gemüsearten, die wir anbieten, ist der Grundstock ohnehin durch das vorgegeben, was in unseren Breitengraden im Freiland auch wächst. Darüber hinaus nehmen wir aber jede Saison Änderungen im Anbauplan vor, damit für die vielen Menschen, die über viele Jahre einen Garten mieten, Abwechslung dabei ist. Grundlage hierfür ist unsere große Sommerumfrage, durch die wir die Wünsche unserer Gärtnerinnen und Gärtner abfragen und natürlich, so weit möglich, in die Tat umsetzen.

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Mimi: Vielen Dank, Markus, für das Interview. Ich werde auch dieses Jahr wieder mitmachen, denn mir hat es letztes Jahr super gefallen und ich kann nur sagen: Selbst angebautes Gemüse schmeckt einfach am besten!

Wer jetzt Lust hat, einen Acker zu buchen, kann dies z.B. hier tun.

Weitere Infos gibt es natürlich auch auf der „meine ernte – Seite“ hier.