Interview mit Viva con Agua zum Weltwassertag

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Während wir jeden Tag zig Liter Wasser bedenkenlos für Dusche, Toilette, Kochen, etc. verwenden (und meist nicht im entferntesten daran denken, wieviel Wasser die Produktion unserer Kleidung, Lebensmittel und Konsumprodukte verbraucht), gibt es viele Gegenden in dieser Welt, wo Wasser keine Selbstverständlichkeit ist.

Viva con Agua will dem entgegenwirken und setzt sich als ein internationales Netzwerk von Menschen und Organisationen für einen menschenwürdigen Zugang zu sauberen Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung ein. Viva con Agua versteht sich als „offenes Netzwerk“, das vorwiegend von individueller Initiative und Mitwirkung der über 9.000 aktiven Supporter*innen weltweit lebt. Mit vielen Aktionen und ebenso viel Spaß begeistert Viva con Agua Menschen für soziales Engagement und sammelt Spenden für Wasserprojekte der Welthungerhilfe.

Unser Mitarbeiter Wanja hat lange Zeit ehrenamtlich für Viva con Agua gearbeitet und die Projektgebiete in Äthiopien, Ruanda und Nicaragua besucht. Zum Weltwassertag führt er ein Interview mit dem Koordinator für WASH-Projekte Christian Wiebe.

In Deutschland muss man kein Wasser sparen, aber in vielen anderen Regionen ist sauberes Wasser keine Selbstverständlichkeit. Wo liegen hier die größten Probleme?

Weltweit haben ca. 760 Millionen Menschen keinen menschenwürdigen Zugang zu sauberen Trinkwasser. 2,5 Milliarden Menschen auf diesem Planet fehlt es an ausreichender Sanitärversorgung, dass sind mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung.

Seit 2010 ist sauberes Trinkwasser und sanitäre Versorgung  ein von dem UN-Menschenrechtsrat anerkanntes Menschenrecht. Auch wir verfolgen den WASH Ansatz (Wasser, Sanitätsversorung und Hygiene). Das Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung legt fest, dass Wasser- & Sanitärversorgung für alle verfügbar, sicher, kulturell akzeptabel und allen Menschen zugänglich sein muss.

Gibt es Fortschritte?

Ja, seit Viva con Agua 2005 gegründet wurde, ist die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser hat, durch die Arbeit vieler Organisationen weltweit um 25% zurückgegangen. Wir haben mit unseren WASH-Projekten in Kooperation mit der Welthungerhilfe inzwischen mehr als 500.000 Menschen erreicht.

Wie viel Spenden habt ihr im letzten Jahr bekommen?

Fast 1,3 Mio EUR Spenden! Es ist das erste Mal, dass wir die 1-Million-Grenze geknackt haben. Davon gehen insg. 1,017 Mio. Euro an die Welthungerhilfe für konkrete WASH-Projekte in Uganda, Burkina Faso, Äthiopien, Indien, Nepal sowie in den WASH-Topf der WHH als projektungebundene Gelder.

Wir beiden waren 2008 zusammen in Sodo in Äthiopien. Damals hatte der Bau gerade erst angefangen. Was hat sich seitdem dort getan?

Als wir Sodo besucht haben, war ein Teil der Brunnen noch im Bau. Inzwischen ist das Projekt abgeschlossen. In Sodo und der Umgebung wurden 13, bis zu 80 Meter Tiefbohrbrunnen gebohrt und zusätzliche Latrinen, Duschen, Viehtränken und Waschbecken errichtet. Die Bewohner des Projektgebietes, welche Mitglieder des Komitees zur Wassernutzung sind, haben Schulungen zu den Themen Hygiene, Sanitätseinrichtungen und Brunnenverwaltung bekommen. Dadurch wird die Brunnentechnik und Wartung von den Bewohnern selbst übernommen.

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Im Februar habt ihr eine Projektreise nach Uganda veranstaltet. Was war der Grund und was habt ihr gemacht?

Wir sind nun seit sieben Jahren auf jeder Menge Festivals unterwegs und wollen dadurch coole Meschnen für soziales Engagement begeistern.  Mit der breiten Unterstützung von den Festivalveranstaltern und -besuchern haben wir es geschafft,

mit Hilfe der interkulturellen „Sprache“ Musik junge Menschen auf die Bedeutung von Trinkwasser- und Sanitärversorgung insbesondere in Ländern des globalen Südens aufmerksam zu machen.

Im Februar dieses Jahres war eine Reisegruppe aus Festivalverantwortlichen, Künstler und Menschen aus dem VcA Kosmus in Uganda. Dort wurde zum Einen das auf 5 Jahre ausgelegte Projekt in Moroto besucht und zum Anderen konnten wir das erste Viva con Agua Kampala-Festival veranstalten. Außerdem haben Bobbie Serrano vom Künstlerkollektiv der Sechtste Lachs und der Berliner Künstlerin Julia Benz eine riesige Wand des National Theaters gestaltet.

Kommt das Geld auch wirklich an oder versickert es in der Bürokratie?

Das Geld kommt an! In dieser Grafik kannst genau sehen, wie wir das Geld nutzen.

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Seit 2010 vertreibt ihr ein Quellwasser. Wie kam es dazu?

Das Mineralwasser ist das erste Social Business Modell von Viva con Agua. Wir verknüpfen damit Wirtschaft und Soziales in innovativer Weise, um die globale Wassersituation zu verbessern. So können wir, neben der Arbeit des gemeinnützigen Vereins, Gelder und Aufmerksamkeit für die von uns unterstützten Wasserprojekt generieren. Jeder kann so durch eine einfache Kaufentscheidung einen Teil dazu beitragen, mehr Menschen einem Zugang zu sauberen Trinkwasser und sanitärer Basisversorgung zu verhelfen.

Wie können unsere Kunden euch unterstützen?

Durch eine Fördermitgliedschaft können sie ganz konkret unsere Vereinsarbeit unterstützen, die allen Aktivitäten zu Grunde liegt. Vereinsarbeit bedeutet bei Viva con Agua Aktionen, Bildung und Netzwerk.

Jedes Jahr sind wir auf über 100 Musikfestivals und bringen Menschen dazu, etwas von ihrem Ersparten in Form von Pfandbechern zu spenden und sich über das Thema Wasser zu informieren.

Auch in der Bildungsarbeit weht die Flagge mit dem Tropfen. Dort werden Vorträge zu Themen, wie WASH, soziales Engagement und Entwicklungszusammenarbeit an Kindergärten, Schulen und Universitäten gehalten und Spendenläufe von Lehrern und Schülern organisiert.

In unserem Netztwerk aus Zellen, Local Crews und Zusammenschlüssen von Viva con Agua Unterstützern in über 50 Städten sind organisiert. Sie betreuen und organisieren eigene Veranstaltungen und schaffen so über 500 Events pro Jahr, auf denen die Viva con Agua Fahne hochgehalten wird.

 Wir ziehen den Hut vor soviel Tatendrang und wünschen euch weiterhin ganz viel Erfolg!

Wenn jemand von euch Viva con Agua unterstützen möchte, könnt ihr dies z.B. durch eine Fördermitgliedschaft tun, euch selbst aktiv bei Viva con Agua beteiligen (weitere Infos hier) oder Viva con Agua durch den Kauf ihrer Produkte unterstützen. Diese findet ihr selbstverständlich bei Avocado Store: Viva con Agua Produkte 

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