Vegan essen, vegane Mode, alles vegan?

Ein Interview mit Helen Unsinn, der Geschäftsführerin der Hamburger Veganz-Filiale.

„Der VEBU geht im Moment (Mai 2014) von rund 7 Millionen Vegetariern (8-9 % der Bevölkerung) und mindestens 1,2 Millionen Veganern (1,5 %)* in Deutschland aus. Das Institut für Demoskopie Allensbach bestätigt diese Entwicklung“ (*Quelle: Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov, 2014).

Wir haben mit Helen Unsinn, Geschäftsführende Gesellschafterin der veganen Supermarktkette „Veganz“ in Hamburg gesprochen, um herauszufinden, ob die vegane Lebensweise mehr ist, als nur Trend.

Mimi: Helen, du bist verantwortlich für die Hamburger Filiale von Veganz. Was reizt dich an deinem Job?

Helen: Mich hat das Projekt von Beginn an gereizt – vor zwei Jahren schlief der Einzelhandel und die Gastronomie in Hamburg noch. Die Herausforderung war es, in Hamburg einen Meilenstein in der Einzelhandelslandschaft zu setzen. Heute liegt die Challenge darin, Besonderheiten zu führen, wie z.B: ein komplett veganes Angebot von Kleidung über Hundefutter bis hin zu Kochkursen anzubieten. Für mich war es immer ein Traum, einen Arbeitsalltag zu haben, der nicht durch das Raster meines Wertesystems fällt. Ich hab das Gefühl der Erde mit Vernunft, Respekt und einem Partnerschaftsgefühl zu begegnen.

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Mimi: Was macht den typischen Veganz-Kunden aus und was kauft er bei euch?

Helen: Unser Kundenstamm ist wirklich sehr breit gefächert. Von jung bis alt – von Studenten und Schülern bis hin zu älteren Herrschaften. Unsere Umfragen haben ergeben, dass in etwa 40 % unserer Kunden vegan sind – der Rest fächert sich in Gesundheitsbewusste, Vegetarier, Allesesser. Sicherlich sind mehr Frauen als Männer dabei. Ein paar Kunden kaufen alles bei uns ein, ein paar andere kommen wegen Hundefutter. Viele picken sich die Besonderheiten aus unserem Sortiment. Ein richtig typischer Kunde, kauft Pflanzenmilch, Soja-Fleischalternativen und eine Schokolade mit Haselnüssen.

Mimi: Was glaubst du, motiviert eure Kunden, vegan einzukaufen?

Helen: Auf Gleichgesinnte zu treffen, ist sicherlich eine Motivation. Und eben nicht nur Lebensmittel einzukaufen, sondern vorher oder anschließend im „goodies“ zu essen, ein bisschen nach den passenden Schuhen bei „avesu“ zu suchen und vielleicht am Abend dann noch an einem Kochkurs bei uns im „cafe faux vau“ teilzunehmen.

Mimi: Du lebst selbst auch vegan, wie wichtig ist für dich vegane Kleidung?

Helen: Ich halte es für unumgänglich, wenn man sich richtig mit der Materie auseinandersetzt. Ich achte nicht nur auf vegane Kleidung sondern kaufe auch nicht bei Großkonzernen, die ihre Kleidung zwar aus Baumwollen herstellen, aber vielleicht unter absurden Arbeitsbedingungen. Sicherlich, das ist eine Kostenfrage. Umgekehrt halte ich es für notwendig für ein Shirt ein bisschen mehr auszugeben (mit einem guten Gefühl), und dafür eben nicht 10 billigst produzierte Teile im Schrank zu haben.

Mimi: Ich habe das Gefühl, dass im letzten Jahr viele die vegane Ernährungsweise ausprobiert haben, aber sich meist auf die Ernährung beschränkt haben. Ist es zu schwierig, ganzheitlich vegan zu leben?

Helen: Ich glaube, die eigene Motivation entscheidet ob es schwierig ist oder nicht. Für mich ist es ganzheitlich ideal – für andere wiederum, aber auf die Ernährung beschränkt. Ich finde es durchaus okay, wenn jeder für sich entscheidet, wo er beginnt und wo er aufhören möchte. Bei vielen setzt nachträglich ein Prozess ein – und sie beginnen neben der Ernährung auch andere Bereiche miteinzubeziehen.

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Mimi: Glaubst du, die vegane Lebensweise ist mehr als ein Trend, und verbreitet sich weiter so rasant wie bisher?

Helen: Ein klares JA! Ich glaube, dass die Aufklärung so viel stärker ist als noch vor ein paar Jahren. Der Vegetarismus stand vor einigen Jahren an einer ähnlichen Stelle.

Mimi: Zum Schluss noch drei kurze Fragen zu eurem Sortiment: Was sind die drei Produkte, die bei euch am liebsten gekauft werden?

Helen: Käse- und Fleischersatzprodukte sind nach wie vor unsere Bestseller! Das Besondere ist, dass es in der Zwischenzeit richtig tolle Alternativen aus Cashew oder Mandel gibt. Im Superfoodregal sind es einige Dauerrenner: Chiasamen und Maca-Pulver. In der Tiefkühlung sind unsere absoluten Renner Produkte von Gardein.

Mimi: Wie findet ihr neue Produkte, bzw. woher wisst ihr, was die Kunden suchen?

Helen: Wir haben selbstverständlich an dieser Stelle Produktmanager im Team, die sich explizit darum kümmern. Auf regionaler Ebene suchen wir selbst mit. Wobei man ganz klar sagen kann, wir haben das Glück, dass sich die meisten Newcomer bei uns selbst vorstellen. Da geht es dann ans Selektieren und am Ende muss man den richtigen Riecher beweisen.

 

Mimi: Welches Produkt gibt es noch nicht in vegan und sollte deiner Meinung unbedingt erfunden werden?

Helen: Mir fehlt so gar nichts, um ehrlich zu sein. Die Frage werde ich mit mir herum tragen und eventuell irgendwann mit einer Antwort auf Euch zukommen.

 

Mimi: Vielen Dank für das Interview und deine Offenheit.

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Zu unserem veganen Modespecial kommt ihr hier.

Über Veganz:

Die Veganz GmbH ist mit bereits neun Filialen die erste vegane Vollsortiment-Supermarktkette Europas. Im Sommer 2011 eröffnete der erste Laden in Berlin-Prenzlauer Berg. Bis Ende 2015 sind europaweit 21 Filialen geplant. Das Veganz-Konzept umfasst neben dem Filialbetrieb die Geschäftsfelder Großhandel, Catering und (Koch-)Events.