Ein Monat plastikfrei – Meret Nehe hat es ausprobiert!

Wer für seinen Alltag eine Herausforderung sucht, der kann einfach mal probieren, was Meret Nehe aus Zürich im November 2014 gemacht hat: einen Monat auf jegliche Plastikverpackung verzichten.
Mimi hat Meret für euch interviewt und sie gefragt, wie man das hinbekommt und ob das Ganze langfristig eine Alternative darstellt.

Mimi: Hallo Meret, wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, einen Monat kein Plastik zu kaufen?

Meret: Bisher hatte ich mich eher wenig mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich war dann im Herbst in Berlin zu Besuch und war zufällig bei der Eröffnung des „OriginalUnverpackt“ Ladens. Ich habe daraufhin mit einer guten Freundin darüber geredet, wie es wäre, kein Plastik mehr zu kaufen. Wir hatten dann überlegt, einen Selbstversuch zu machen und das Ganze mit einem Blog zu begleiten. Schnell wurde mehr daraus. Letztendlich haben wir es über Facebook kommuniziert, in der Hoffnung, dass so auch andere Leute mitmachen und ihre Erfahrungen teilen. Es ging uns schliesslich um die Sache und nicht um eine Selbstdarstellung.

Meret beim Einkaufen

Meret beim Abfüllen von Pasta. (Fotoquelle: tagesanzeiger.ch)

Mimi: In der Facebook-Veranstaltung waren dann ja auch relativ schnell 2.500 Leute dabei, wie erklärst du dir das?

Meret: Es scheint ein Thema zu sein, das sehr viele Leute interessiert. Die Leute in der Gruppe waren auf jeden Fall bunt gemischt. Alt, jung, berufstätig, Studenten, sogar mein Zahnarzt war dabei.

Mimi: Du hast dann quasi von heute auf morgen angefangen auf Plastik zu verzichten. Wo hattest du die meisten Schwierigkeiten?

Meret: Am Anfang ging es noch, etwas schwieriger wurde es vor allem, als Dinge im Haushalt leer wurden. Ein schönes Beispiel ist Toilettenpapier, das kriegt man einfach nicht ohne Plastikverpackung. Für andere Hygieneartikel, wie z.B. Tampons, gibt es tatsächlich gute Alternativen. Ich war am Anfang zwar selbst eher skeptisch, kann aber Produkte wie Ruby Cups etc. wirklich empfehlen: man gewöhnt sich ganz schnell dran und produziert damit einfach jeden Monat viel weniger Abfall.
Ich habe mich in dem Monat auf vieles Neue eingelassen und einige Dinge führe ich heute noch weiter. Zum Beispiel Putzmittel hab ich einfach selbstgemacht. Im Internet gibt es viele Tipps, wie man aus Essig oder Zitrone alltagstaugliche und umweltfreundliche Reinigungsmittel herstellen kann.

Mimi: Ich weiß, dass du beruflich viel unterwegs bist. Ich stelle es mir auf Reisen besonders schwierig vor, auf Plastik zu verzichten.

Meret: Stimmt. In der Schweiz, ist es z.B. kein Problem, an Wasser zu kommen. Es gibt überall Brunnen, wo man seine Wasserflasche auffüllen kann. Ich hab dafür immer eine Trinkflasche von Dopper mit dabei. Auch in Deutschland kann man eigentlich überall das Leitungswasser trinken. Ich musste in der Zeit beruflich nach Bulgarien, und mir wurde dort gesagt, dass ich das Leitungswasser dort besser nicht trinken sollte. Da war ich leider gezwungen, auch mal Wasser in Plastikflaschen zu kaufen.
Was sich fürs Reisen als praktisch erwiesen hat, sind „Solid Shampoos“ die in einem Seifenstück ohne Plastikverpackung kommen. Die kann man auch ganz unproblematisch im Handgepäck transportieren. Mit dem Wascheffekt war ich super zufrieden und da gibt es mehrere gute Anbieter für, z.B. „Alles Seife“ aus Österreich! Früher hab ich immer meine Shampoo-Flasche im Koffer noch extra in eine Plastiktüte eingepackt, falls was ausläuft. Das brauche ich heute nicht mehr.

Mimi: Ok, wir haben über Alltagsprodukte, Kosmetik und Reisen gesprochen. Aber wie war das eigentlich beim Lebensmitteleinkauf?

Meret: Eins ist ganz klar: Junk Food und Süßigkeiten fallen weg! Das ist ja auch positiv, weil man automatisch gesünder isst. Ich esse ganz gerne mal Chips, das war echt nicht möglich. Nüsse konnte ich nur auf dem Markt kaufen. In der Schweiz ist es mit Saft auch schwierig, weil es nur selten Saft in Glasflaschen gibt. Das meiste ist in Tetrapacks verpackt.
Schwierig waren auch Milchprodukte. Milch ging noch, da gibt es in der Schweiz Abfüllstationen, wo man sich seine Milch in mitgebrachte Glasflaschen füllen kann. Aber Joghurt und Quark gibt es nur in Plastik, oder wenn im Glas, dann leider mit Plastikdeckel.
Auch Käse- und Fleischwaren sind schwierig, da die ja immer in Plastik eingepackt sind. Selbst an der Käsetheke oder auf dem Markt werden die Produkte immer mit beschichtetem Papier rausgegeben. Leider selbst im Biomarkt.
Ich habe dann versucht, mit eigenem Behältnis Käse zu kaufen. Aber in Supermärkten dürfen die Verkäufer aufgrund von Hygienevorschriften die Lebensmittel gar nicht anders als vorgeschriebenen rausgeben. Da kann ich nur empfehlen, z.B. den Metzger seines Vertrauens zu finden, der Lust hat, sich auf solche Wünsche einzulassen und mal ein Auge zudrückt. Es gibt auch kleine Workarounds: Salami nicht in Scheiben kaufen, sondern als luftgetrocknete Hartwurst.

Mimi: Fast zwei Monate später, was ist denn dein Fazit? Lebst du immer noch plastikfrei?

Meret: Ich ziehe das Ganze nicht mehr ganz so strikt durch, aber ich habe viele Erfahrungen gesammelt, die bei mir ein grundsätzliches Umdenken bewirkt haben. Zum Beispiel verpacken viele im Supermarkt ihr Obst und Gemüse immer in diese dünnen Plastikbeuteln. Wieso eigentlich? Niemand hinterfragt das, weil man es schon immer so gemacht hat. Das ist so sinnlos, dass man sich manchmal fragt, wo der Verstand in unserer Gesellschaft geblieben ist!
Es ist tatsächlich aufwändiger, ohne Plastik zu leben. Beim Einkaufen muss man besser planen und es kostet auch mal mehr Zeit (z.B. wenn man extra auf den Markt geht). Aber wenn man den Alltag etwas anpasst und gut plant, gibt es superviele Sachen, die man ganz einfach umstellen kann. Und am Ende macht es richtig Spass, wenn man so auf neue Produkte und Läden aufmerksam wird!

Meret kommt ursprünglich aus dem Emsland und lebt, nachdem sie ihren Master in Nachhaltigkeitsmanagement in Schweden absolviert hat, seit 1,5 Jahren in der Schweiz. Worüber sie sich im plastikfreien Monat besonders gefreut hat: den in ihrer Heimat traditionellen Ostfriesen-Tee von Bünting kann man ganz ohne Plastik-Verpackung kaufen!

Wer von euch mehr über Merets plastikfreien Monat erfahren möchte: Es gibt weiterhin die Facebook-Gruppe, wo auch Tipps und Ideen zum Thema plastikfreies Leben ausgetauscht werden.

Und einen Blog gibt es auch: https://buynoplastic.wordpress.com/

Plastikfreie Alternativen für jeden Tag findet ihr hier.