Sollten wir noch mehr Wasser sparen?! – ein Plädoyer für mehr Wasserverbrauch

Bei Umwelt-Themen ist nicht immer alles schwarz oder weiß, auch wenn wir das manchmal gerne hätten.

Dies beweist der folgende Gastbeitrag von Sebastian von hydrophil:

Bei unserem geliebten Wasser herrscht seit Jahrzehnten der Sparzwang: Überall auf der Welt gibt es Probleme mit Wasserknappheit – selbst in Europa, insbesondere in Portugal oder auch Spanien. Uns Menschen in Deutschland wurde lange erklärt und immer wieder eingetrichtert, wir müssten unbedingt Wasser sparen, die Spartaste an der Toilette nutzen, das Wasser beim Zähneputzen abstellen, usw. – alles der Umwelt zuliebe.

Tatsächlich ist es aber so, dass dort, wo Wasserknappheit herrscht, nicht selten weiter damit geprotzt wird, für Hydrokulturen, für Golfplätze und Pools, während andernorts schlicht so wenig Wasser vorhanden ist, dass es ohnehin kaum nutzbar ist.

Im Land des aktuellen Fußball-Weltmeister gilt beides jedoch absolut nicht, wir sind momentan mit Wasserreichtum gesegnet. Es gibt ausreichend Niederschlag, eine funktionierende Kanalisation und hervorragende Wiederaufbereitungsanlagen. Eine Ausbeutung natürlicher Ressourcen findet hierdurch praktisch nicht statt – allenfalls durch teures Quellwasser aus den äußersten Winkeln der Welt, das teuer herangeschafft werden muss. Dabei wäre Leitungswasser die ökologisch sinnvollste und die den Geldbeutel am Meisten schonende Methode. Aber das ist ein anderes Thema mit dem man ohne Problem seitenweise Blogs und Artikel füllen könnte, u.a. wird hier das Thema aufgegriffen.

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Jetzt aber zurück zum Stichpunkt „Wasser sparen“.

Hierzulande ächzen die Wasserbetriebe inzwischen schon unter dem so erfolgreichen Wassersparen der Deutschen. Aufbereitungsanlagen brauchen schließlich Abwasser zum Arbeiten, auch die Kanalisation funktioniert nur bei ausreichender Auslastung.

Die Deutschen sparen aber bereits so viel Wasser, dass der Effekt sich langsam ins Gegenteil zu verkehren beginnt. Die damit verbundene Infrastruktur könnte letztendlich unter der zu geringen Auslastung zusammenbrechen. Und auch das Argument des Geldsparens für den Einzelnen läuft dadurch ins Leere: Die Infrastruktur muss gewartet und Instandgehalten werden, selbst wenn sie nicht voll ausgelastet ist. Die Gebühren für Kläranlagen und Kanäle bleiben hierdurch konstant, folglich steigt lediglich der Preis pro Liter an, wenn weniger verbraucht wird. Sparen alle gleich viel Wasser, bleibt der Endpreis, den alle zahlen, demnach ebenso konstant.

Die Kläranlagen haben inzwischen teils so wenig Abwasser zur Verfügung, dass die Klärung nicht mehr funktioniert, zum Beispiel weil die eingesetzten Bakterien nicht mehr damit klarkommen. Dann müssen zusätzliche Ressourcen aufgewendet werden – sowohl relativ, pro Liter, als auch absolut, pro Anlage. Eine halb-ausgelastete Kläranlage braucht halt mindestens denselben Einsatz von Ressourcen, um das Wasser zu klären, meist sogar deutlich mehr, weil das vorhandene Wasser nun einmal sehr viel stärker verunreinigt ist und das vorhandene System unter dieser Last zusammenbricht.

Somit ist Wasser zu sparen grundsätzlich eine gute Idee, gerade, wenn die natürlichen Ressourcen überbeansprucht werden – eine Unterbeanspruchung auf Kosten der Infrastruktur hingegen kann sich auf Dauer als ebenso fatal erweisen.

Unsere Tipps:

Wasser aus dem Hahn

Eine generell gute Idee ist es, Wasser aus dem Hahn zu trinken, anstatt teuer herbei geschafftes Tafelwasser. Das ist nicht nur in Deutschland möglich, sondern auch in anderen europäischen Ländern. In Altbauwohnungen stellen Bleileitungen ein mögliches Problem dar. In manchen Städten kann man deshalb das Wasser aus dem Hahn für wenig Geld analysieren lassen. In Hamburg ist die Bleianalyse kostenlos für Schwangere und Eltern mit Säuglingen.

Im Urlaub

Vor dem nächsten Urlaub empfiehlt es sich, zu recherchieren, wie die Wassersituation vor Ort ist. Gerade als Tourist sollte man die örtlichen Gegebenheiten und Beschränkungen respektieren und nicht zur Wasserknappheit beitragen.

Vielen Dank an Sebastian für den interessanten Beitrag!