KlimaTeller – der leckere Klimaschutz

Das Projekt KlimaTeller verbindet Klimaschutz mit Genuss. Initiiert wurde es von Studierenden und Doktoranden der Uni Hamburg, umgesetzt wird es bereits seit Juni 2011 in den Hamburger Mensen und zahlreichen großen Unternehmen bundesweit (u.a. Tchibo, Otto oder TUI). Alle Projektpartner bieten regelmäßg klimaschonende Aktionsgerichte an, bei denen auf die größten Klimasünder unter den Lebensmitteln gezielt verzichtet wird. Die Kriterien für einen KlimaTeller sind: Kein „rotes“ Fleisch und keine Milchprodukte mit einem absoluten Fettgehalt von mehr als 15%. Das Ergebnis: Bislang konnten so rund 1.500 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden.

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Die Menschen hinter KlimaTeller ©KlimaTeller

Wir haben Sina von KlimaTeller interviewt, um zu erfahren, wie Klimaschutz auf den Tellern landet:

AS: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, den Speiseplan von Mensen, Kantinen & Co. mal eben auf den Kopf zu stellen?

KT: Wir haben uns durch unser Studium schon immer viel mit dem Thema Klimawandel beschäftigt und mit Sorge beobachtet, dass in vielen Bereichen des Alltags kaum etwas getan wird. Also haben wir geguckt, wo besonders hohes Potential zur Einsparung besteht. Das ist definitiv der Bereich der Ernährung. Dann haben wir überlegt, wie man dort die schlechte Bilanz verbessern kann. Wir haben genauer hingeschaut, Studien unter die Lupe genommen und auf dieser Grundlage die KlimaTeller-Kriterien erarbeitet. Glücklicherweise war das Studierendenwerk recht schnell von der Idee überzeugt und bereit, den Pionier zu spielen. So hatten wir gleich zum Start rund 11.000 KlimaTeller jede Woche. Das war eine tolle Motivation, um das Projekt weiterzutreiben.

AS: Wie wird eure Idee von „den Essenden“ aufgenommen?

KT: Überwiegend positiv. Viele sind sehr interessiert an den Hintergründen und auch überrascht, wenn sie hören, dass z.B. auch Käse vergleichsweise klimaschädlich ist. Dass Fleisch keine gute Klimabilanz hat, wissen die meisten. Neu ist für vielen, dass es klimatechnisch Unterschiede bei den Fleischsorten gibt. Geflügel ist ja z.B. hinsichtlich der Klimabilanz moderat.

Wie klimaschädlich sind verschiedene Lebensmittel?
Wie klimaschädlich sind verschiedene Lebensmittel? ©KlimaTeller

AS: Wen wollt ihr mit dem Konzept „KlimaTeller“ erreichen?

KT: Die Idee ist, große Unternehmen ins Boot zu holen, die dann nach unseren Kriterien kochen. Zum einen erreicht man so ganz praktisch am meisten Emissionsersparnis, weil dort täglich sehr viele Essen zubereitet werden. Zum anderen stellt die Großgastronomie einen guten Multiplikator dar, wenn sie das Konzept und die Idee an jeden einzelnen Gast weiterträgt.
Wir treten gezielt an Unternehmen heran, mittlerweile kommen manche auch von selbst auf uns zu.

AS: Wäre es nicht noch umweltfreundlicher, wenn der KlimaTeller gänzlich vegetarisch/ vegan oder aus regionalen Lebensmitteln wäre?

KT: Am besten für’s Klima ist unumstritten rein pflanzliche Kost, also eine vegane Ernährung. Aspekte wie „regional“ oder „biologisch“ machen tatsächlich aber nur einen Bruchteil der Treibhausgas-Emissionen aus. Der KlimaTeller setzt ganz bewusst nur auf zwei Kriterien, um das Konzept für die Großgastronomie umsetzbar zu machen. Die sind ja mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert als HobbyköchInnen und können ihre Rezepturen aufgrund von Kosten- und Zeitdruck viel weniger flexibel anpassen.

AS: Auf was muss ich denn genau achten, wenn ich zu Hause einen KlimaTeller servieren möchte?

KT: Einfach rotes Fleisch (Schwein, Rind, Lamm Kalb, u.a.) und Milchprodukte mit mehr als 15% Fett absolut weglassen und – voilá –  hat man ein klimatarisches Gericht. Wer ganz genau wissen will, wie die Treibhausgasbilanz des Lieblingsgerichts ausschaut, kann sie mit unserem Emissionsrechner bestimmen. Den gibt’s auf unserer Webseite und bald auch als App.

AS: Gibt es ein Lebensmittel, das ihr aus Klimagründen abschaffen würdet, wenn ihr könntet?

KT: Schwierig. Man kann ja z.B. schlecht sagen, dass man generell Kühe abschaffen würde. Wenn wir global an einen Punkt kommen, an dem es nicht mehr als selbstverständlich hingenommen wird, dass uns immer alles zur Verfügung steht und man lernt, verantwortungsvoll und kritisch an das Thema Konsum heranzugehen, dann wären rigide Verbote hoffentlich sowieso überflüssig.

AS: Wir fragen uns schon die ganze Zeit, habt ihr ein persönliches KlimaTeller-Lieblingsessen?

KT: Das kann man so allgemein gar nicht sagen. Jeder Jeck ist bekanntlich anders. Unsere Partnerbetreuerin isst ausschließlich vegan. Ich liebe Antipasti aus gegrilltem Gemüse oder selbstgemachte Dipps wie Hummus oder Aioli aus weißen Bohnen. Und unser Vereinsvorsitzender würde für Chili sin carne alles stehen und liegen lassen. Mit den unzähligen Dessert-Varianten wollen wir lieber gar nicht anfangen…

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©KlimaTeller

Vielen Dank an Sina für das interessante Interview. Wir sind absolut begeistert von diesem nachhaltigen Konzept und dem Engagement der Menschen hinter KlimaTeller. Weiterhin viel Erfolg!

 

 

Von Kathrin und Elena


Wenn ihr euch Inspiration für klimatarische Rezepte holen oder selber Ideen zum klimaschonenden Kochen teilen wollt, besucht die Rezeptesammlung von KlimaTeller oder schaut auf der Facebook-Seite vorbei.

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Ein besonders schöner KlimaTeller: Flammkuchen mit Räucherlachs, Dickmilch und essbaren Blüten ©Tchibo

Buchtipps zum Thema: 

  • „Umweltfreundlich vegetarisch“ von Bettina Goldner (ISBN: 978-3-7750-0561-6)
  • „Klimakochbuch“ von der BUND Jugend (ISBN: 978-3-44011-926-6)
  • „Nachhaltig genießen: Rezeptbuch für unsere Zukunft“ von Dr. Karl von Koerber und Hubert Hohler (ISBN: 978-3-8304-6053-4)

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