Unser Geheimtipp: Tembo Kijani – ein nachhaltiges Reiseziel in Tansania

Zugegeben, Tansania ist nicht das naheliegendste Reiseziel. Besonders, wenn es um das Thema „nachhaltiges Reisen“ geht.

Eigentlich müssten wir jetzt die deutsche Küste oder die Mecklenburger Seen, die Alpen oder das fränkische Altmühltal anpreisen. Alles Ziele, die bequem mit der Bahn oder dem Auto erreichbar sind, und somit die Schadstoff-Emissionen eines Flugzeuges vermeiden.

Aber, für alles gibt es Ausnahmen! Wir möchten Ihnen Tembo Kijani vorstellen – eine Eco Lodge, die von dem deutsch-israelischen Ehepaar Sarah und Eyal Peled in Tansania im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Nichts mit den eigenen Händen, aufgebaut wurde. Unserer Meinung nach ein gelungenes Beispiel für nachhaltigen Tourismus. Wir haben die drei für euch interviewt:

Team Tembo Kijani
Team der Tembo Kijani: Sarah, Eyal, Timna & Jojo

Avocado Store: Ihr seid seit 2 Jahren in Tansania, was habt ihr denn vorher gemacht?

Sarah: Bis wir nach Tansania ausgewandert sind, haben wir in Israel gelebt und beide in High-Tech Firmen gearbeitet – wir hatten beide also nicht viel mit Nachhaltigkeit und/oder Tourismus zu tun. Aber wir hatten schon immer den Traum etwas nachhaltiges zu gestalten und so die Vorteile von erneuerbarer Energie zum Beispiel dem breiteren Publikum näher zu bringen, sprich unseren Gästen.

Avocado Store: Was reizt euch an Tansania? Oder in anderen Worten, warum ausgerechnet Tansania?

Sarah: Gute Frage. Eyal war vor mehr als 10 Jahren hier und hat sich in dieses Land verliebt, speziell in den Küstenort Pangani – damals, genauso wie jetzt ein kleines Städtchen am Meer, das einen nach Afrika von vor fast 100 Jahren versetzt mit Eselskarren, buntem Markt und Dhows, die Waren aus und nach Sansibar bringen.

Panoramastrand

Tansania ist politisch gesehen sehr ruhig. Ideal für Touristen wegen seinen vielen Nationalparks und Naturreservaten und seinen langen weißen Sandstränden – im Prinzip also das ideale Urlaubsziel.

Darüberhinaus ist Afrika natürlich sehr geeignet um eine nachhaltige Lodge zu bauen, einfach aus dem Grund, dass es keine vorhandene Infrastruktur gibt, sprich man ist einfach gezwungen alles selber zu bauen. Damit ergibt sich dann auch die Gelegenheit alles nachhaltig zu gestalten. Und diese Chance haben wir genutzt.

Avocado Store: Wo genau liegt Tembo Kijani? Wie weit ist es zur nächsten Stadt?

Sarah: Tembo Kijani liegt an der Swahili Küste von Tansania, zwischen Pangani und dem Saadani Nationalpark, oder etwas weiter ausholend – zwischen der Grenze zu Kenya im Norden und Dar es Salaam im Süden.  Ausserdem liegen wir direkt gegenüber der Nordspitze Sansibars, so dass man von uns nachts die Lichter von Nungwi sehen kann – man kann ab Tembo Kijani entweder per Boot oder Flug schnell nach Sansibar.

Das nächste Städtchen ist Pangani, ca. 45km nördlich von uns gelegen. Dort tätigen wir unsere Einkäufe und tanken. Ausserdem gibt es einen kleinen Airstrip dort mit Verbindungen nach Dar es Salaam, Sansibar und Arusha. Die nächste Stadt, nämlich Tanga, liegt dann noch mal 55km nördlich von Pangani. Dort gibt es dann auch einen Supermarkt und einen Geldautomaten, sowie Busverbindungen in andere große Städte wie Dar es Salaam oder Arusha.

Avocado Store: Als ihr angekommen seid, gab es weder Wasser noch Strom. Wo und wie habt ihr angefangen?

Sarah: Ganz am Anfang waren tatsächlich nur wir drei als Familie hier, Eyal, unsere Tochter Timna und ich. Wir haben uns direkt ein Solarpanel gekauft, das genug Strom für Laptop und Handy und ein bisschen Licht produzierte und eine Benzinwasserpumpe für den Brunnen, den wir schon hatten. So haben wir am Anfang auch geduscht – direkt neben dem Brunnen aus dem Schlauch der Wasserpumpe. Der Wasserdruck war nicht schlecht, aber es war schon ein bisschen kalt so direkt aus dem Brunnen. Gekocht haben wir anfangs auch auf einer Feuerstelle und erst später haben wir uns einen Gasherd gekauft. Gewohnt haben wir in einer Banda aus Kokosnussblättern. War schon sehr abenteuerlich.

Und dann haben wir halt angefangen zu bauen – durch viele Experimente mit den Materialien von vor Ort haben wir langsam herausgefunden was man gut verwerten kann, was lange in diesem Klima hält usw. – Geduld und Kreativität waren gefragt.

Avocado Store: Woher habt ihr das ganze Wissen? So eine Solaranlage baut man ja nicht einfach so…

Sarah: Tja, Internet, selbst langsamstes, hilft auch bei solchen Fragen – wie baue ich eine Solaranlage, welche Komponenten brauche ich, was brauche ich für eine Windanlage, wie kann ich beides verbinden. In Tansania gibt es nicht wirklich Techniker, die man für solche Aufgaben anrufen könnte, und selbst wenn man jemanden hat, der einem eine Anlage installiert, müsste man doch selber die Wartung und Reparaturen übernehmen. Also haben wir in den sauren Apfel gebissen und haben uns das Wissen langsam aber sicher angeeignet, so dass wir jetzt wissen, wie die Solaranlage funktioniert und wieviel Prozent sie weniger produziert, wenn auch nur eine kleine Wolke vorbeizieht. Dieses Wissen möchten wir auch in kleinem Maße unseren Gästen weitervermitteln. In jeder Gästeeinheit haben wir nämlich ein Solarinselsystem und die Gäste können an einem Display ablesen wieviel Strom sie zur Zeit produzieren und verbrauchen – für viele ist es das erste Mal zu sehen, was Sonne alles leisten kann.

Avocado Store: Und woher stammen eure Bau-Materialien?

Sarah: Aus der nächsten Umgebung. Alle Dächer bestehen aus Kokosnussblättern, die es hier zuhauf gibt. Im Dorf werden diese quasi zu Schindeln verarbeitet, so dass man damit das Dach decken kann. Die meisten Materialien haben wir von nicht weiter als Tanga, also 100km entfernt, geholt. Ein paar Sachen allerdings haben wir aus Deutschland mitgebracht und werden dies wahrscheinlich auch nie ändern, weil es das einfach in Tansania nicht gibt. Zum Beispiel haben wir mehr als 5000 Schrauben für das Deck im Restaurant mitgebracht – der Koffer war schon reichlich schwer hinterher.

Banda Innen

Für uns war es oft ein Balanceakt zwischen natürlichen und ökologischen Materialien und westlichen Standards; so haben wir uns hinterher doch entschlossen Fliesen und Glasduschkabinen in den Badezimmern zu benutzen und nicht andere Materialien wie Holz oder Segeltuch, die dann weniger hygienisch gewesen wären.

Badezimmer

Avocado Store: D.h. man muss bei euch auf keinerlei Komfort verzichten. Es gibt sogar einen deutschen Chefkoch, Deinen Bruder. Woher bekommt der denn seine Zutaten?

Sarah: Die Fische und Hummer kommen direkt von den Fischern am Strand – die Gäste sehen also beim Frühstück den Fisch für das Abendessen. Obst und Gemüse gibt es vom Markt in Pangani, wo die Bauern der Umgebung ihre Ware verkaufen. Bei uns gibt es also nicht durchgehend Ananas, denn auch hier sind Früchte saisonbedingt, aber aus all dem, was es gibt, zaubert unser Koch die köstlichsten Gerichte, sei es Mangoparfait oder Süßkartoffelgnocci oder Fisch in Tomaten-Kokosnuss-Sauce.

Avocado Store: Wie sieht denn ein typischer Tag bei euch aus? Was erwartet den Besucher?

Sarah: Jeder Tag kann ganz verschieden sein.

Er kann morgens um 5 Uhr anfangen um auf Safari im Saadani Nationalpark zu gehen und dort Giraffen, Elefanten, Löwen, Nilpferde, Krokodile, Gnus, Antilopen, Wasserböcke, Kaffernbüffel, Affen und mit etwas Glück auch ein paar Zebras zu sehen. Unsere Besucher können aber auch nach dem Frühstück zu einem Schnorchelausflug und zu einer einsamen Insel aufbrechen. Am Nachmittag können sie dann zu Fuß ein Mangrovensystem und Baobabbäume entdecken.

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Es kann natürlich aber auch ein Tag mit kulturellem Schwerpunkt sein: eine geführte Stadttour in Pangani, um alte Bauten, unter anderem  aus der deutschen Kolonialzeit, zu bestaunen und danach ein Ausflug zu einem Massai-Dorf mit Lehmhütten und vielen Kühen und Ziegen zu machen. Manchmal sieht man auch große Kuhherden auf dem Weg mit ihren Hirten aus dem Mangati-Stamm.

Elefant

Aber natürlich wäre ein Urlaub in Tansania nicht perfekt ohne Strand und Meer – hier können unsere Gäste es sich richtig gut gehen lassen und einfach entspannen. Entweder mit dem richtigen Buch und einem Cocktail oder mit einem langen Spaziergang am einsamen Strand.

Strand

Jeder Tag endet allerdings für alle gleich mit einem 3-Gänge Abendessen im Restaurant direkt am Strand.

Avocado Store: Was passiert eigentlich mit euren Abfällen? Eine Müllabfuhr gibt es ja sicherlich nicht?

Sarah: Das stimmt leider. Eine Müllabfuhr gibt es hier nicht, auch nicht in den großen Städten. Überall in den großen Städten und am Strassenrand wird man verbranntes Plastik riechen, aber dies ist hier der einzige Weg seinen Müll zu entsorgen. Organische Abfälle kompostieren wir, Glas wird wiederverwertet, aber für Plastik gibt es keine gute Alternative. Daher vermeiden wir es so weit es geht. Wir bieten unseren Gästen anstelle von Wasser in Plastikflaschen gefiltertes Brunnenwasser in Aluflaschen an, die sie umsonst nachfüllen können – schließlich muss man ja trinken bei so viel Hitze.

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Avocado Store: Gibt es etwas, was ihr besonders vermisst?

Sarah: Da lass ich lieber jeden für sich sprechen.

Timna: Oma und Opa

Eyal: vernünftige Asphaltstraßen – unsere Autos hier sehen bis auf zwei Mal im Jahr nur Schotterpisten und verlieren dementsprechend auch immer viele Schrauben.

Jojo: Frauen und ein ordentliches Steak

Sarah: Kälte, damit ich mal wieder Jeans und Jacke anziehen kann

Avocado Store: Danke Sarah für das Interview!

Wer Familie Peled nun in Tansania besuchen möchte, findet alle nötigen Informationen auf deren Homepage: http://www.pangani-ecolodge.com

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