AusDRUCKsstarke Shirts oder giftige Chemie?

Sie verzieren viele unserer Lieblingsteile, ob Shirt, Pulli oder Jutebeutel: Prints. Die bunten Aufdrucke sorgen für Abwechslung und gute Laune. So ein bedrucktes Shirt hat eine Message, lässt sich prima verschenken und macht unser Leben ein wenig interessanter. Wie ihr sehen könnt, haben auch wir Avocado Girls einige Printshirts in unseren Schränken – vom May you be happy Shirt, über das Lieblingschwester und I can dance my name Shirt bis hin zu unserem Care or Die T-Shirt. Unsere schönsten Prints haben wir hier für euch zusammengestellt.

Ole

Bewusster Konsum wird uns immer wichtiger: Im Bio-Supermarkt achten wir inzwischen auf regionale Produkte und Bio-Siegel und auch beim Klamottenkauf hinterfragen immer mehr Menschen die Herkunft der Roh- und Verarbeitungsstoffe (Stichwort Bio-Baumwolle). Wird das Ganze dann auch noch fair gehandelt, scheint für uns alles optimal gelöst.

Doch vergessen wir da nicht etwas? Wie kommen eigentlich die Prints auf unsere Klamotten? Da für den Druck tatsächlich oft fiese Chemiecocktails verwendet werden, wollen wir heute mal ein bisschen Licht in die Printgeschichte bringen und herausfinden, worauf man achten kann. Deshalb haben wir einen richtigen Fachmann an Bord geholt: Ben von What about Tee.

Moin Ben, schön, dass du Zeit gefunden hast, unsere Fragen zu beantworten. Dann legen wir auch gleich los: Welche Druckverfahren werden denn allgemein am häufigsten genutzt?

Die in der Industrie meist genutzten Verfahren teilen sich zurzeit in das Drucken mit Discharge Ink und in das mit Plastisolfarben auf. Nur wenige drucken mit umweltschonender Farbe auf Wasserbasis.

Und was genau ist dabei jetzt der Unterschied?

Beim Discharge Ink Verfahren wird der Kleidungsstoff durch Einwirkung von Hitze gebleicht und die in der Farbe befindlichen Farbpigmente setzen sich im Textil fest. Daher nennt man diese Druckart auch Direkt- bzw. Ätzdruck. Großer Vorteil bei diesem Verfahren ist, dass der Print auf dem Stoff nicht spürbar ist und auch nach mehrmaligen Waschen weder bricht, noch ausbleicht.

Plastisol zeichnet sich durch seine gute Verarbeitung aus. Zur Trocknung ist eine Hitzefixierung notwendig. Auf dem fertigen Teil bleibt der Druck auf dem Stoff, wird also nicht wie beim Discharge Ink Verfahren in den Stoff „eingefärbt“.

Auch beim Drucken mit Farbe auf Wasserbasis befindet sich das Motiv – also die Farbe – am Ende auf dem Textil. Hier gibt es noch den Unterschied zwischen Farbe, welche hitzefixiert werden muss oder bei Raumtemperatur härtet.

Ehrlich gesagt sind uns doch die Shirts oder Pullis, bei denen der Print direkt im Stoff ist, lieber als die, auf denen eine Schicht klebt, die womöglich noch aufträgt.

Klar, allerdings sind diese Discharge Ink Verfahren weitaus belastender für die Umwelt und die Gesundheit der Leute, die die Shirts bedrucken. Der chemische Vorgang beim Drucken und Trocknen ist zwar spannend mit anzusehen, aber sehr schädlich für die Atemwege. Die Farbe hat eine milchige Konsistenz und offenbart erst bei der Hitzefixierung, was in ihr steckt. Die dabei entstehenden Dämpfe sind äußerst gefährlich für die Lunge. Deshalb darf dieses Verfahren in Deutschland auch nur mit einer entsprechenden Lüftungsanlage angewandt werden. Von der Reinigung der Geräte einmal ganz abgesehen.

In anderen Ländern sind die gesetzlichen Vorgaben leider nicht so strikt wie bei uns. Viele Menschen, die in Textilfabriken arbeiten, tragen deshalb große gesundheitliche Schäden davon.

Und bei der Verwendung von Plastisolfarbe, sieht es da besser aus?

Noch vor wenigen Jahren waren die Hauptbestandteile von Plastisol PVC und andere Weichmacher. Diese sind, wie wir alle wissen, gesundheitsschädlich und krebserregend. Inzwischen haben die Hersteller Möglichkeiten gefunden, auf derartige Zusätze zu verzichten bzw. sie durch umweltfreundlichere zu ersetzen. Auch zur Reinigung nach einem Drucklauf können biologisch abbaubare Mittel verwendet werden.

Ganz frei von Lösungsmitteln werden aber die meisten Reinigungsmittel in den nächsten Jahren trotzdem nicht sein.

Auf welche Farben und Druckverfahren setzt dann What about Tee? Auf Kartoffeldruck?

Das wäre wahrscheinlich die umweltfreundlichste Alternative, ist aber bei größeren Mengen etwas anstrengend!

In unserem Atelier verwenden wir vorwiegend wasserbasierte Siebdruckfarbe. Beim Trocknen und Fixieren entstehen keine giftigen Dämpfe sondern es verdampft lediglich das in der Farbe enthaltene Wasser. Auch die Reinigung der Siebe ist sehr komfortabel und geht allein mit Wasser vonstatten. Übriggebliebene Pigmente setzen sich in der hauseigenen Filteranlage ab und der Rest wird im Klärwerk vollständig aus dem Wasser gefiltert. Ganz ohne die Hilfe von Lösungsmitteln oder sonstiger Chemie.

Vielen Dank, Ben, für die ausführlichen Infos!

Und wie es aussieht, wenn Ben seine Siebdruckmaschine anschmeißt könnt ihr im folgenden Video bestaunen: