Lichtwechsel

Sie war eine der wichtigsten Erfindungen des 19. Jahrhunderts: Die Glühbirne. 1879 von Thomas Edison auf den Markt gebracht, erhellte sie mehr als 130 Jahre lang unsere Wohnungen, Häuser und Büros. Ein Alltagsgegenstand, der so gut funktionierte, dass er seit seiner Erfindung kaum verändert werden musste.

Trotzdem sprechen einige Argumente gegen die herkömmliche Glühbirne, denn sie wandelt nur etwa fünf Prozent des Stroms in Licht um; der Rest – also 95 Prozent – wird zu Wärme. Aufgrund des zunehmenden Umweltbewusstseins unserer Gesellschaft ist eine solche Bilanz nicht mehr tragbar und das bedeutet das Aus für Edisons Erfindung.

Seit 2009 werden Glühbirnen in der EU schrittweise aus dem Verkehr gezogen. Zum 1. September 2012 sind auch die letzten, verbliebenen Birnen über sieben Watt verboten. Die einzige Ausnahme sind Speziallampen, wie sie zum Beispiel in Kühlschränken, Pkw oder Fahrrädern zum Einsatz kommen.

Leicht fällt uns der Abschied nicht. Es gibt verschiedene Alternativen, doch die meisten unter uns steigen durch die Unterschiede noch nicht wirklich durch und auch zur Handhabung gibt es wichtige Infos, die vielen unbekannt sein dürften.

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Im Interview mit Maren Klein, Mitarbeiterin bei Ökotest und Expertin für Energiespar-und LED-Lampen, haben wir über diese Themen gesprochen.

Liebe Frau Klein, zum 1. September 2012 werden Glühbirnen ab sieben Watt endgültig aus dem Handel genommen. Trotz dreijähriger Umstellungszeit ist die Verwirrung groß. Vielleicht können Sie wortwörtlich ein bisschen Licht ins Dunkel bringen.

Was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen Energiespar-, Halogen- und LED- Lampen?

Dahinter stecken drei unterschiedliche Techniken. Energiesparlampen sind gebogene Kompaktleuchtstoffröhren, in denen eine Mischung aus Gas und Quecksilber zum Leuchten gebracht wird. Halogenlampen sind der Glühlampe recht ähnlich – durch die Zugabe der Halogene Jod oder Brom wird die Lebensdauer erhöht, sie verbrauchen dadurch auch weniger Strom als die Glühlampe. LED-Lampen sind konstruiert auf Basis hochkomplexer Halbleitertechnik. Hier bringt Strom Halbleiterkristalle zum Leuchten.

Der Preis ist immer noch der ausschlaggebende Punkt bei jeder Kaufentscheidung. Sind Sparlampen auf lange Sicht wirklich günstiger?

Ja. Gerade LED sind echte Sparwunder. Bis zu 85 Prozent Energieeinsparung im Vergleich zur Glühlampe sind möglich! Vom hohen Anschaffungspreis sollte man sich deshalb nicht abschrecken lassen – man hat ihn an Energie in etwa drei Jahren wieder eingespart. Energiesparlampen sind hingegen weniger sparsam, als man als Verbraucher erwartet. In unserem Test lag die Ersparnis im Vergleich zur Glühlampe bei 3 bis 9 Euro jährlich.

Als umweltbewusstes Unternehmen interessiert uns vor allem aber auch die Ökobilanz der einzelnen Lampentypen. Wie verhält es sich damit?

 Herstellung und Entsorgung von Energiesparlampen sind sehr aufwendig, aufgrund des enthaltenen Quecksilbers müssen sie als Sondermüll entsorgt werden. Da drängt sich schon die Frage auf, ob das die Energieeinsparung wettmacht. Dies wird von Fachleuten eindeutig positiv beschieden: Die Lebensphase mit ihrer Stromersparnis überwiegt so deutlich, dass Herstellung und Entsorgung vernachlässigbar seien. Nach den vorbereitenden Studien zur Öko-Designrichtlinie vom Januar 2008, die im Auftrag der Europäischen Gemeinschaft durchgeführt wurden, verbraucht die Herstellung und Entsorgung einer Energiesparlampe viermal so viel Energie wie die einer Glühbirne, deutlich mehr Wasser und Schwermetalle, und es entstehen viel mehr Abfall sowie CO2- und andere Emissionen. Auf die Lebensdauer- und die Helligkeitsangaben der Hersteller bezogen errechnete die EU, dass der Gesamtenergieverbrauch einer Glühbirne viermal so hoch sei wie der einer Energiesparlampe. Tatsächlich muss nach unserem ÖKO-TEST aber davon ausgegangen werden, dass die tatsächliche Energiebilanz der Sparlampen schlechter ist.

Auch LED-Lampen sind aufwendig in Herstellung und Entsorgung. Eine neutrale Ökobilanz liegt bisher leider nicht vor. Nicht unerheblich ist die Tatsache, dass für die Herstellung von LED sogenannte Seltenen Erden benötigt werden. Diese sind heiß begehrt – schon jetzt ist zu erwarten, dass Versorgungsengpässe entstehen werden, weshalb ein vernünftiges Recyclingsystem wichtig ist.

Auch über Elektrosmog wird viel berichtet, gibt es da große Unterschiede?

Die Elektrosmogbelastung liegt sowohl bei Energiesparlampen als auch bei LED höher, als die TCO-Norm für Computermonitore erlaubt. Das heißt: Man holt sich zusätzlichen Elektrosmog ins Haus. Am besten ist, man schraubt diese Lampen nicht in Leuchten ein, die nah am Kopf sind, etwa Nachttisch- oder Schreibtischleuchten.

Neben Elektrosmog gibt es aber auch noch andere Vorbehalte gegenüber den neuen Lampen. Stimmt es, dass Energiesparlampen giftige Stoffe abgeben? Und wenn ja, wie entsorge ich dann eine Energiesparlampe bzw. was soll ich tun, wenn mir eine zerbricht?

Energiesparlampen enthalten hochgiftiges Quecksilber. Deshalb müssen sie auch als Sondermüll entsorgt werden. Zum Problem wird das Quecksilber, wenn die Lampe herunterfällt und zerbricht. Dann kann das Gas austreten. Wenn´s passiert ist, sollte man deshalb sofort lüften und den Raum verlassen. Nach einer halben Stunde kann man dann vorsichtig die Scherben zusammenkehren, in ein Schraubglas packen und zum Wertstoffhof bringen. Das Quecksilber ist allerdings nur eines von vielen Problemen: Problematisch ist auch die schlechte Lichtqualität der Energiesparlampe. Das Lichtspektrum hat mit dem natürlichen Licht und dem Licht der Glühlampe nichts zu tun, hinzu kommt unangenehmes Flimmern.

Und zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Welche Lampen werden Sie in Zukunft kaufen?

Ich setze derzeit noch auf Glüh- und Halogenlampen. Die Zukunft, denke ich, gehört allerdings der LED.

Alle Testergebnisse könnt ihr auch in der Ökotest nachlesen.

Hier noch ein paar wichtige Daten für euren nächsten Lampenkauf: Ab sofort geht es nicht mehr um Watt, sondern um Lumen und Kelvin. Eine Lampe mit 600 Lumen entspricht der Leuchtkraft einer 60-Watt-Brine, knapp 350 Lumen der 40-Watt und 1200 Lumen der 100 Watt Birne. Kelvin gibt an, wie warm oder kalt das Licht ist. Lampen unter 3300 Kelvin erzeugen ein eher warmes Licht.

Jede Alternative hat also Vor- und zur Zeit auch noch Nachteile. Für welche Lampen ihr euch in Zukunft entscheidet bleibt euch selbst überlassen. Bei Avocado Store findet ihr jetzt schon eine große Auswahl an LED-Lampen!