Wenn ein Trendprodukt den Trend verweigert – Gute Gründe für Öko-Mode

Trotz der aktuell angespannten wirtschaftlichen Lage, die auch die Textilindustrie in Mitleidenschaft zieht, wuchs der Öko-Mode Markt auch 2010 weiterhin an. Die Zahl der Firmenneugründungen im Bereich der Organic Fashion war sogar überdurchschnittlich hoch.

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Während die Arbeitsplätze in der Endfertigung in Deutschland stetig zunehmen, muss der Rohstoff noch immer importiert werden, da Deutschland bis auf wenige Anbaugebiete für Hanf und Leinen über keine ausreichenden Vorkommen an textilen Rohstoffen verfügt.
Darin liegt das Hauptproblem, denn die Produktion von Baumwolle im Ausland ist stark verzweigt und damit höchst intransparent.

Nur knapp 1% der weltweit produzierten Baumwolle wird anhand von ökologischen Maßstäben produziert.
Dabei liegt Öko-Mode im Trend, wie es die eigens eingeführten Organic-Cotton-Linien großer Modelabels suggerieren.
Natürlich steckt dahinter auch eine große Portion Imagepflege, doch die Nachfrage scheint vorhanden zu sein.
Der weltweite Markt für textilien aus biologisch angebauten Naturfasern liegt in diesem Jahr nach Schätzungen bei 5,3 Milliarden Dollar.

Das ist nur ein Bruchteil des gesamten Textilmarktes, der auch weiterhin eher nach sich schnell ablösenden Designs und billiger Massenware verlangt, als nach Öko-Mode.

In einer groß angelegten Recherche klopfte NDR-Chefreporter Chritoph Lütgert einem der deutschen Big Player auf dem Textilmarkt auf die Finger. Er verfolgte die Produktionsstrukturen des Textildiscounters kik bis zu den Produktionsstätten in Bangladesch zurück und fand heraus, dass dort vor allem Frauen unter katastrophalen sozialen Bedingungen bei einem unüblichen geringen Lohn und zum Teil starker sexueller Belästigung die Textilien fertigen. Auch der Umgang mit Mitarbeitern in den deutschen Filialen des Textilriesen ist bedenklich. Für einen Hungerlohn und ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall arbeiten sie angestellt als „Reinigungskraft“ in allen Bereichen vom Verkauf über die Lieferannahme bis hin zur Reinigung des Ladenlokals und müssen dabei im Winter in manchen Filialen aus Sparsamkeit des Arbeitgebers auf die Heizung verzichten.

Lutgert

Christoph Lütgert

Natürlich kann dieser Bericht von Lütgert, der stark polemisiert wenn beispielsweise die Villa des kik-Gründers gezeigt wird, kein Vollständiges Bild der Realität in der Textilbranche abbilden.
Deshalb in puren Aktionismus zu verfallen hilft auch niemandem, vor allem die Menschen vor Ort würden durch einen Boykott ihrer Produkte in Mitleidenschaft gezogen werden.

Vielmehr sollte es selbstverständlicher werden sozialverträglich und ökologisch produzierte Mode zu kaufen. Dadurch kann Marktdruck erzeugt werden, der auch große Anbieter zum Handeln bewegt. Frei nach dem Motto, unter dem auch der Avocado Store gegründet wurde, nämlich „Veränderung durch gezielten Konsum herbei zu führen“, wollen wir euch an einem Beispiel zeigen warum es sich lohnt auf Öko-Mode zu setzen.

Gots-logo

 

Beispielhaft wollen wir euch heute deshalb das G. O. T. S. Siegel vorstellen:

G.O.T.S.steht für „Global Organic Textil Standard“. Das Textilsiegel, gibt es seit 2008 und es versucht alle Aspekte der Produktion zu berücksichtigen. Bei der Entwicklung des G.O.T.S. hat der „Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft e.V.“ mitgewirkt und das sind die Vorgaben:

 – G.O.T.S. zertifizierte Kleidung muss zu 90% aus Naturfasern bestehen, wovon mindestens 70% aus kontrolliert biologischen Anbau stammen müssen.

– Bei der Faseraufbereitung sind bestimmte chemische Prozesse nicht erlaubt. Gebleicht werden darf nur mit Sauerstoff.

– Zum Färben und Bedrucken dürfen nur gesundheitlich und ökologisch unbedenkliche Substanzen verwendet werden. Färben mit toxischen Schwermetallen, aromatischen Farbstoffen oder Azo Farbstoffen ist nicht erlaubt.

– Bei der Aufrüstung („knitterfrei“, wasserabweisend) dürfen keine synthetischen Hilfstoffe benutzt werden. Diese sind nur beim Weichmachen, Walken und Filzen erlaubt.

– Die fertigen Textilien müssen bestimmte Rückstandsgrenzwerte eingehalten werden.

– Bei den Sozialstandards gelten die Kriterien der ILO (Internationale Arbeitsorganisation) als Mindesstandard: Verbot von Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Misshandlung oder Diskriminierung, gerechte Löhne, Arbeitsschutz und Vereinigungsfreiheit.

Die am Herstellungsprozess beteiligten Betriebe werden einmal im Jahr kontrolliert und zertifiziert. Zusätzlich können auch unangemeldete Kontrollen durchgeführt werden. Dieses Vorgehen stellt in allen Bereichen „sauber“ hergestellte Kleidung sicher. Die Textilien sind weder mit Chemikalien belastet, noch die Umwelt und dazu kommt ein fairer Lohn unter menschenwürdigen Bedingungen für die Rohstoff-Bauern.

Öko-Mode ist eben nicht einfach nur ein Trend…