Selbstversuch Nr.3: Grüne Kosmetik - Warum?

Body Lotion, Lippenstift, Tages- und Nachtcreme, Sonnenschutz, Augencreme, Make-up, Concealer, Rouge, Rasierschaum, Deos zum Sprühen und Rollen, Shampoos für alle Haartypen, Haarspray...

Jeder Deutsche greift am Tag zu ca. 35 verschiedenen Kosmetikprodukten.

Die Kosmetikindustrie ist riesig und hilft bei scheinbar jedem Problem. Leider können die Inhaltstabellen dieser Produkte nur noch Chemiker nachvollziehen und Greenwashing ist gerade in diesem Bereich unglaublich verbreitet.

Meine Kollegin Swantje sagt immer, wenn man die Inhaltsstoffe seiner Lebensmittel nicht versteht, sollte man die Finger davon lassen. Wenn es ein Labor braucht, um dein Essen herzustellen, braucht dein Körper auch eins um es zu verdauen. Das ist für jeden komplett nachvollziehbar, aber genau das gleiche gilt auch für Pflegeprodukte, mit denen wir uns täglich umgeben.

Die Haut ist unser größtes Organ und sobald mit ihr irgendwas nicht in Ordnung ist, wird es sofort sichtbar. Um das zu verhindern, cremen, schmieren, sprühen und schminken wir jeden Tag. Das Problem ist, das unser heimisches Kosmetikstudio eher einem Chemielabor gleicht. Synthetische Duftstoffe, tausende Konservierungsmittel, Paraffine, Parabene, Glycerine und Silikone sind nur ein Teil der Inhaltsstoffe, denen wir uns aussetzen.

Der einzige Weg, mit dem Informationsüberfluss dieser Industrie umzugehen ist also, dass wir die Inhaltsstoffe ein wenig studieren.

Natürlich können wir unmöglich allen eventuell gefährlichen Inhaltsstoffen aus dem Weg gehen. Aber sich bewusst zu machen, mit welchen Inhaltsstoffen wir es täglich zu tun haben, ist ein erster Schritt in Richtung Gesundheit und Umweltschutz. Was ich vor den Recherchen für dieses Thema schon wusste ist, dass viele herkömmliche Produkte Abfallstoffe aus der Erdölgewinnung beinhalten. Paraffin wird oft als günstige Grundlage für Cremes verwendet. Wenn man sich mal überlegt, dass Paraffin für Grillanzünder und Kerzen genutzt wird, ist die Vorstellung, das freiwillig auf die Haut zu schmieren, schon sehr eigenartig!

Eine Runde Erdöl für die Haut für alle - lieber nicht!

Der Haut wird sprichwörtlich die Luft zum Atmen genommen. Hierbei wird der Säure-Schutz-Mantel der Haut zerstört, was wiederum die Faltenbildung fördert. Und das möchten wir in unserem Jugendwahn ja schließlich nicht.

Das ist jetzt nur einer der zahlreichen Inhaltsstoffe, die in normalen Drogerieprodukten sehr verbreitet sind. Daher schaut euch genau an, was ihr kauft und wie natürlich die Inhaltsstoffe wirklich sind.

Da es bekannt ist, dass man gern etwas mehr Geld für natürlich Inhaltsstoffe ausgibt, springen auch die großen Marken mehr und mehr auf den Zug von Bio und Nachhaltigkeit. Mir stellt sich die Frage, inwiefern hier Greenwashing im Spiel ist oder was nun wirklich natürlich ist.

Es gibt auch eine große Bandbreite an Produkten, die es ehrlich mit uns meinen und im Vergleich zu herkömmlichen Produkten nicht aus einem Chemiecocktail bestehen. Naturkosmetik sollte nur aus natürlichen Bestandteilen bestehen, leider ist „natürlich“ Definitionssache und der Begriff Naturkosmetik nicht geschützt.

Bei uns findet ihr eine Reihe an Kosmetika, die Bioqualität haben und es ehrlich meinen.

Das Team vom Avocado Store hat einmal für euch ihre Lieblinge der grünen Körperpflege gesammelt:

Wir lieben die Lippenpflegestoffe von Hurraw!. Diesen gibt es in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen und er besteht nur aus unbehandelten Ölen und fair gehandelten Inhaltsstoffen. Unser Favorite ist der Lippenpflegestift mit Limone.

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Wir waren uns alle einig, eines der besten Körperpeelings selbstgemachtes Zucker-Olivenöl Peeling. Es gibt kein besseres Rezept für weiche und vitale Haut!

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Hier das Rezept - übrigens auch super zum Verschenken:

+ 1Tasse braunen Zucker (natürlich öko und fair)

+ 2 TL grobes Meersalz

+ 10 EL Olivenöl

+ 3-5 Tropfen ätherisches Öl (z.B. Lavendel oder Melisse)

Einfach alles mischen und in kleine Gläschen abfüllen. Da brauner Zucker etwas grob ist, lieber nicht für das Gesicht benutzen.

Eine Alternative zu den herkömmlichen Shampoos ist das stop the water while using me! Shampoo, welches für jeden Haartyp geeignet ist.

Für die Nachteulen unter euch. Dicke Augen am Tag danach?! Da schafft ein Teebeutel mit schwarzem Tee Abhilfe. Einfach den Tee ziehen lassen und die Beutel dann auf die dicken Augen legen und ein wenig entspannen..

Wir sind außerdem begeistert von der i+m age protect Intensivcreme. Sie enthält weder synthetische Rohstoffe, noch Mineralöle, Parabene, Konservierungsstoffe und Silikone.

Zusammenfassend kann man sagen, wenn man sich und der Umwelt etwas wirklich Gutes tun will, ist die Auseinandersetzung mit den Inhalten der Produkte ein wichtiger Bestandteil. Und auch ich muss nun wirklich ein paar Produkte weg schmeißen und austauschen - aber nun gut, das ist der Weg!

Damit verbleibe ich für heute und wünsche euch eine schöne Zeit! Elske

 

Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2010

Mitte März habe Christoph Harrachs Blog Post auf Karmakonsum gelesen und mich für ihn gefreut. Er wurde zu einem der "Deutschlands 50 Köpfe der Nachhaltigkeit" nominiert. Ein Publikumspreis der im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2010 am Freitag in Düsseldorf vergeben wurde.

Unter den Top 50 Personen, waren viele Vorbilder von mir, unter anderem:

Dr. Thilo Bode (foodwatch e.V.)
Prof. Dr. Michael Braungart (EPEA Internationale Umweltforschung GmbH)
Joschka Fischer
Dr. Volker Hauff
Peter Kowalsky (Bionade GmbH)
Renate Künast
Dr. Michael Otto
Prof. Dr. Götz E. Rehn (Alnatura)
Dr. Norbert Röttgen
Jürgen Trittin
Prof. Götz W. Werner (dm-drogerie markt)

Bis dato kannte ich den deutschen Nachhaltigkeitspreis nur als Auszeichnung von grünen Unternehmen, wie beispielsweise der Memo AG, und habe natürlich sofort für Christoph gewählt. Vor ein paar Tagen hat Christoph mich dann gefragt, ob ich Lust hätte auf die Veranstaltung zu kommen. Und am Freitag (26.11.2010) war ich dann auf einmal dort.

Im Maritim am Düsseldorfer Flughafen angekommen, bekomme ich am Check-in eine Begrüßungsmappe mit Agenda und einem Grußwort von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zum Deutschen Nachhaltigkeitstag 2010. Schirmherr der Veranstaltung war Günther H. Oettinger, Mitglied der Europäischen Kommission, mit Zuständigkeit für Energiepolitik.

Merkel

Eine Seite weiter sehe ich dann auf einmal eine Liste von Sponsoren & Partnern, "welche den Deutschen Nachhaltigkeitstag ermöglicht haben"
u.a.:
Henkel
CocaCola
Danone
und McDonalds

Sponsoren

… ich verliere ein bisschen den Glauben an die Veranstaltung. Freue mich allerdings immer noch auf einen interessanten Tag mit spannenden Leuten und Reden.

Wie es so ist, bringe ich immer ein bisschen Hunger mit auf Konferenzen, da ich gewohnt bin, dass es immer etwas (gutes) zu essen gibt. Auf dem Weg zu dem Veranstaltungsraum ist ein McCafé aufgebaut. Ich traue meinen Augen nicht! Mein Rückschluss ist, dass McDonalds jetzt bestimmt einen Fair Trade Kaffee auf den Markt bringt. Ich frage nach … falsch gedacht! Alles konventionelle Produkte! Nicht mal die Milch war von demeter - obwohl demeter sogar Aussteller war.
Was macht ein normales McCafé bei dem Deutschen Nachhaltigkeitstag? Sie sind weder nachhaltig, noch deutsch!

Mc_cafe
Mcdonalds_nachhaltigkeit
Kruse_mc_cafe

Ich höre mir die "Wohin wir wachsen wollen" Rede von Jürgen Trittin an. Im Programm steht dazu " 'Grünes Wachstum' ist ein neues Mantra in Wirtschaft und Politik. Welches sind die Voraussetzungen für ökologisch vertretbares Wachstum - und in welche Richtung geht es? " Die Rede ist super. Ich gewinne langsam wieder Vertrauen in die Veranstaltung.

Dann ist Pause und die Türen des Hörsaales gehen auf. Die Leute strömen in den Ausstellerraum in dem es Essen und Trinken gibt. Hotdogs von Heinz Ketchup und CocaCola. Mache ich Witze? Nein! Ungelogen! McDonalds, Heinz und CocaCola sind Aussteller auf dem Deutschen Nachhaltigkeitstag 2010. Sonst gibt's nichts - außer zum Mittagessen - ein bisschen was Regionales.

Cocacola_stand
Cocacola_nachhaltig
Heinz
Christoph, Daniel Kruse, Hendrik Haase und ich trauen unseren Augen nicht. Eigentlich können wir auf dem Event nichts essen und trinken - außer die Äpfel aus der Apfelkiste von demeter, welche neben dem Stand von CocaCola ein bisschen verlassen aussieht.

Während wir, umzingelt von CocaCola, Heinz Ketchup und McDonalds, um die Glaubwürdigkeit des Preises diskutieren, fällt mir eine der Ausstellerinnen ins Wort mit dem Satz: "Die Stuttgart21 Truppe soll doch bitte den Raum verlassen."  Christoph, ich und andere, die mit diskutiert haben, schauen uns an und glauben, dass wir in einem anderen Film sind.

In der Mittagspause haben Christoph und ich kurz die Möglichkeit mit dem Veranstalter Stefan Schulze-Hausmann zu sprechen. Dieser versucht uns zu erklären, dass solch ein Event nicht ohne CocaCola, Heinz & McDonalds möglich wäre. Wir widersprechen und bieten ihm an, sich mit uns in Verbindung zu setzen.

Nach der Mittagspause (gutes regionales - aber kein bio - Essen, zubereitet von Jamie Oliver) gehe ich in die Panel Diskussion: "Innovativer nachhaltiger Konsum - worauf es dem Verbraucher wirklich ankommt" hört sich interessant an und Christoph moderiert.
Und wer ist auf dem Panel am diskutieren:
Dr. Andreas Knaut (Director Corporate Communications, Health and Sustainability Danone GmbH)
Dr. Christa Liebtke (Forschungsgruppenleiterin "Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren" Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH)
Martin Piszczek (Geschäftsführer Druckstudio GmbH)
Rudolf Ringhofer (Senior Director Supply Chain & Qualitätsicherung McDonald's Deutschland Inc.)
Ulf Wentzien (Corporate Vice President Global Consumer Intelligence Henkel AG & Co. KGaA)

Bis auf Frau Dr. Liebtke hat meiner Meinung nach dort keiner etwas zu dem Thema zu sagen - außer ihrer normalen PR Sprüche. Es mag sein, dass McDonalds im Fast Food Bereich sehr regional sourcen und dass Henkel versucht eine grüne Marke zu etablieren. Aber ganz ehrlich, was haben diese Firmen mit Nachhaltigkeit zu tun? … und nachdem am Sonntag Abend mal wieder der Film "Supersize Me" auf 3Sat gelaufen ist, muss ich doch eigentlich nichts mehr schreiben, oder?

Ich habe die Möglichkeit eine Frage an das Podium zu stellen, welche Hendrik Haase aufgenommen hat.

Nach der Podiumsdiskussion wurde ich erst mal von einer McDonalds Mitarbeiterin attackiert - ob ich auch wirklich "nachhaltig konsumieren" würde und ob dies "überhaupt möglich wäre" - gefundenes Fressen für mich!

Nach einer Kaffeepause kam dann Jamie Oliver auf die Bühne. Ja, lest richtig. Jamie Oliver ist auf der Bühne, bekommt dein Honorary Award 2010 von einer Veranstaltung die von McDonalds gesponsert wird. Das Interview mit Jamie Oliver ist super. Highlight ist, dass er ein Video aus seiner TV Show zeigt auf der er Schulkindern erklärt, was Gemüse ist und schockiert zeigt, dass die Kids nicht wissen was eine Kartoffel ist, aber die Zeichen von McDonalds und Domino's Pizza sofort erkennen.

Jamie_oliver


Danach mache ich mich auf den Weg zurück und bin sprachlos. Die vielen Kommentare auf unserer Facebook Seite haben mich dann motiviert heute einen Blog Post darüber zu schreiben.

Hier noch mal die Preisträger:

Deutschlands nachhaltigstes Unternehmen 2010: Deutsche See
Deutschlands nachhaltigste Marke 2010: Lichtblick
Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategie (Konzern) 2010: Puma
Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategie (KMU) 2010: Gesobau, Studiosus
Deutschlands nachhaltigste Produkte 2010: C&A, Daimler
Deutschlands nachhaltigste Initiative 2010: REWE
Deutschlands recyclingpapierfreundlichstes Unternehmen 2010: REWE


Und jetzt?

Um ehrlich zu sein, habe ich Freitag kurz überlegt einfach den Stecker von Avocado Store zu ziehen. Ich bewege mich seit über zwei Jahren in dem "nachhaltigen Segment", war auf vielen Veranstaltungen und habe viele sehr interessante Leute kennen gelernt. Ich habe den Carrotmob damals mit einem super Team nach Deutschland geholt, weil wir einfach zeigen wollten, dass man mit wenig Geld und ohne Politik etwas bewegen kann. Avocado Store habe ich aus Leidenschaft zu grünen Produkten gegründet. Bis auf Freitag habe ich nicht einen Tag daran gezweifelt, dass ich das Richtige mache. Am Ende des Tages war ich zwar sprachlos, aber noch motivierter. Auch wenn sich jede Firma gerade Gedanken macht, wie sie "nachhaltiger" werden könnte … und es jeder zweiter TV Spot erklärt, wie nachhaltig das Unternehmen XY ist, am Ende des Tages ist das meiste Schein. Auf Politik und Industrie scheint wirklich kein Verlass zu sein.

Ich frage mich, ob diese Leute wirklich glauben, was sie erzählen. Ich finde es wichtig, dass große Unternehmen sich verändern, und einige sind auf dem richtigen Weg, aber bitte WALK THE TALK. Versucht doch erst mal etwas richtig zu bewegen, bevor ihr es kommuniziert.

ICH WERDE JETZT LAUTER WERDEN!!!